Wie man ein Städtchen rettet

Anderswo sperren Wirtshäuser zu, in Trofaiach auf. Wie das Städtchen das bunte Leben wieder ins Zentrum holt

Gerlinde Pölsler
LANDLEBEN, FALTER 17/18 vom 24.04.2018

Foto: Christopher Mavrič

Bürgermeister Mario Abl deutet auf einen kleinen Durchgang, unerwartet tut sich der mitten in der Häuserzeile der Hauptstraße auf. Plötzlich steht man an einem plätschernden kleinen Fluss, dem Vordernbergerbach, und schaut über Wiesen. Den Bach haben die Bewohner einst komplett verbaut. „Jetzt haben wir den Eingang der neuen Musikschule extra hier nach hinten verlegt“, sagt Abl und schwingt sich auf die Brüstung. Wer hineinwill, wird also zuerst zu dem beschaulichen Platz geleitet. Das Haus dahinter, die einstige Sparkasse, ist zehn Jahre leer gestanden. Jetzt empfängt es die 350 Schüler mit Konzertsaal und Orchesterräumen. Mit der Übersiedelung ist die Musikschule vom Stadtrand zurück ins Zentrum gekehrt.

Trofaiach, über viele Jahre das Wohnzimmer der Voest-Alpine-Arbeiter, kämpft wie so viele alte Industrieregionen gegen Bevölkerungsschwund und einen entleerten Ortskern. Doch jetzt betreibt die Gemeinde Stadtentwicklung auf einem solchen Niveau, dass sich viele größere Städte etwas abschauen könnten. So gelingt es auch, die Bevölkerungszahl bei rund 11.200 konstant zu halten. Zuletzt gab es zwar mehr Sterbefälle als Geburten, aber auch mehr Zu- als Wegziehende. Nicht übel für die Obersteiermark.

Mit dem Aufschwung losgegangen ist es, als die Stadt und zwei Umlandgemeinden sich freiwillig als Versuchsballon für die Gemeindefusionen meldeten, ein Kernprojekt der damals von Franz Voves (SPÖ) geführten Landesregierung. Entsprechend großzügig honorierte diese die Pioniertat: Für die Fusion Anfang 2013 ließ sie 1,1 Millionen Euro springen. Und da das Städtchen damit auch die 10.000-Einwohner-Marke übersprang, fließt seither auch aus dem Finanzausgleich viel mehr Geld nach Trofaiach.

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