Vulkanausbruch im Kopf

Migräne – das ist Fegefeuer im Kopf. Und die Angst, dass sie jederzeit wieder kommen kann – und wird. Die Suche nach Ursachen und Heilmitteln läuft auf Hochtouren. Steht nun ein Durchbruch bevor?

ELISABETH TSCHACHLER, KURT LANGBEIN
STADTLEBEN, FALTER 33/18 vom 14.08.2018

Illustration: Bianca Tschaikner

Gut 85 Prozent der Menschen haben weder Ahnung noch Vorstellung davon. Aber vor allem eines: einfach Glück. Vielleicht sind es ja auch 90 Prozent. So genau weiß das keiner. Aber die anderen, diese zehn bis 15 Prozent, leben auf einem Pulverfass. Tanzen auf einem Vulkan. Sie wissen, dass der nicht nur jederzeit ausbrechen kann, sondern es auch wird. Eher früher als später. Dafür aber wieder und wieder und wieder. Und was dann passiert, lässt sich kaum beschreiben: Die Hölle bricht los. Im Kopf. Doch das Wort „Kopfschmerzen“ beschreibt das Martyrium der Betroffenen nicht einmal annähernd: Migräne.

Zehn bis 15 Prozent der Menschen. Das ist viel. Laut WHO ist Migräne – egal ob mit oder ohne „Aura“ (so nennt man, beinahe verhübschend, die dem rasenden Schmerz oft vorausgehenden Sehstörungen) – damit weltweit die sechsthäufigste krankheitsbedingte Belastung. Frauen nietet dieser Schmerz, der, wenn er da ist, lähmt und wenn er nicht da ist, zermürbt, häufiger um als Männer. Unter 50-Jährige erwischt es öfter als ältere: Da liegt Migräne sogar auf Platz drei.

Doch warum und woher die Attacken kommen, wie sie entstehen, ob und wie man sie vermeiden kann, ist immer noch ungeklärt. Weitestgehend. Trotz intensivster Forschung – auch in Wien: „Der chronische Schmerz ist – ganz anders als der akute Schmerz – ein Desaster, eine Katastrophe für die Betroffenen und nach wie vor noch sehr schwer zu behandeln“, sagt Jürgen Sandkühler, Leiter des Hirnforschungszentrums an der MedUni Wien. Eines seiner Spezialgebiete: die Entstehung und Wahrnehmung von Schmerz.

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