Kein Asyl für schwulen Afghanen: "Sind Homosexuelle nicht eher gesellig?"

Politik, FALTER 33/2018 vom 15.08.2018

Der Beamte im Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl hat einen besonderen Blick: "Weder Ihr Gang, Ihr Gehabe oder Ihre Bekleidung haben auch nur annähernd darauf hingedeutet, dass Sie homosexuell sein könnten", schreibt ein Asylbeamter der Regionalstelle Wiener Neustadt in seinem negativen Bescheid.

Für den 18-jährigen Afghanen, der als Minderjähriger allein nach Österreich flüchtete und in einem SOS-Kinderdorf unterkam, gibt es deshalb kein Asyl. Weil er nicht homosexuell sei, würde der junge Mann in Afghanistan auch nicht wegen seiner sexuellen Orientierung verfolgt.

Warum der Asylwerber aus Afghanistan keine sexuellen Gefühle für andere Männer haben kann, begründet der Beamte des Innenministeriums, ohne auch nur ein schwulenfeindliches Klischee auszulassen. Weil der Jugendliche im SOS-Kinderdorf wiederholt mit anderen Burschen gestritten habe, schreibt das Bundesamt für Asyl: "Ein Aggressionspotenzial ist bei Ihnen also vorhanden, das bei einem Homosexuellen nicht zu erwarten wäre." Auch dass der junge Afghane nur wenige Freunde habe, ist aus Sicht des Beamten ein Indiz für seine Heterosexualität. "Sind Homosexuelle nicht eher gesellig?", steht im negativen Asylbescheid. Dass der Mann gerne allein oder in kleineren Gruppen unterwegs ist, wird ihm auch negativ ausgelegt. "Auch das passt nicht zu einem angeblich Homosexuellen."

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