Enthusiasmus Kolumne der Superlative

Der beste Sänger der Welt der Woche

Klaus Nüchtern
Feuilleton, FALTER 37/18 vom 12.09.2018

An sich bin ich stark für die Einführung des Prädikats "Musikfreies Lokal" - und vermute, dass ein umsatzrelevanter Teil der Weltbevölkerung das ebenfalls goutieren würde. Aber selbst wenn einen die Beschallung zu circa 79 Prozent nervt und in 18 Prozent einfach wurscht ist, denkt man sich in den restlichen drei Prozent der Fälle: "Oha!"

Das letzte Mal ist mir das im Kresowa passiert. Das Kresowa ist eine durchaus empfehlenswerte georgische Füllnudellabestelle im Zentrum von Danzig. Aus den Lautsprechern tönte ein extrem eingängiger Ohrwurm. Nachdem mir die volkstümlich bestickte Saaltochter keine näheren Auskünfte zu erteilen vermochte, shazamte ich und bekam die gewünschte Information prompt am Display meines Smartphones angezeigt.

"Ada, To Nie Wypada", so ergaben meine Recherchen, stammt aus der Feder von Zygmunt Wiehler, ist der Titelsong einer Musikkomödie aus dem Jahr 1936 ("Don't Do That, Ada!"), wo das Lied von Hauptdarstellerin Loda Niemiranzka gesungen wird. Hätte ich das Original gehört, hätte ich vermutlich einen Füllnudelverschluckanfall erlitten. Die Coverversion von Albert Harris hingegen hat Charme, Schmelz und Schmiss, und das gilt für alle anderen Interpretationen dieses begnadeten Sängers, die zwischen Swing und Schlager angesiedelt und schamlos eklektisch sind (so zitiert etwa "Krakowskie Tango" Jara Beneš' Operettenhit "Auf der grünen Wiese").

Der polnische Albert Harris ist übrigens nicht zu verwechseln mit dem Hollywoodkomponisten gleichen Namens. Mehr habe ich über ihn leider nicht herausfinden können. Sollte seine Musik aber demnächst in einem Film von Woody Allen oder Aki Kaurismäki ertönen - wo sie supergut hinpassen würde -, dann haben die das von mir!

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