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Die verlorene Ehre eines Flüchtlings

Bericht: Florian Klenk
Medien, FALTER 37/18 vom 12.09.2018

Dass die Kronen Zeitung und die FPÖ gerne Facebook-Pingpong spielen, um maximale Reichweiten zu erzielen, ist bekannt. Doch was vergangene Woche geschah, sprengte die Vorstellungskraft.

FPÖ-Klubchef Johann Gudenus unterstellte einem Flüchtling Sympathien für Terroristen. Ein angebliches Facebook-Like für eine syrische Islamistengruppe, so Gudenus, sei der Beweis. Die Krone übernahm die Story, ohne sie beim Betroffenen gegenzuchecken. Sie war ja zu schön: denn der Flüchtling war ein Schützling von Rudi Anschober von den Grünen Oberösterreich, der den Flüchtling vor einer Abschiebung bewahren wollte.

Die Print-Krone übernahm die Story von Gudenus und setzte noch eins drauf. Der Verfassungsschutz ermittle nun gegen den "Vorzeigelehrling" schrieb das Blatt (allerdings nur, weil Gudenus Anzeige erstatten ließ). Die Online-Krone übernahm dann den Printbericht, die FPÖ teilte ihn empört, mehr als 100.000 Leser klickten ihn an, auch rechtsextreme Websites schrieben die Story ab. Nicht nur Gudenus, auch Vizekanzler Heinz-Christian Strache teilten den Bericht, der sich in der blauen Szene viral verbreitete.

Dumm nur: Der Bericht war falsch. Und der Asylwerber, so gab Anschober bekannt, erwäge nun -unterstützt von Anwältin Maria Windhager -, die FPÖ und Johann Gudenus zu verklagen.

Die Chancen, den Prozess zu gewinnen, stehen nicht schlecht. Der Asylwerber war in seinem Lebensumfeld identifizierbar, die FPÖ unterstellte ihm eine unehrenhafte Gesinnung. Auch die Kronen Zeitung könnte geklagt werden. Sie stellte die Story zwar richtig, ließ den alten Text aber noch stundenlang stehen. F

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