Heidi List Sexkolumne. Aufklärung für Zeitgenossen

Queeria

Kolumnen, FALTER 37/18 vom 12.09.2018

Der oberste indische Gerichtshof erklärt, dass einvernehmliche homosexuelle Akte zwischen Erwachsenen nicht mehr bestraft werden. Zuvor lag die Strafe bei bis zu zehn Jahren Gefängnis.

Kurz bevor man denen jetzt dazu applaudiert, dass sie im Jahr 2018 angekommen sind, stolpert man auch schon über einen Tweet des Users @clamrou, mit dem Inhalt, dass die Leute im Westen die Dekriminalisierung von Homosexualität in Indien schlicht als das Loslassen von homophober Gesetzgebung des Kolonialismus bewerten sollten. Die Briten haben das mitgebracht. Es gehe nicht darum, dass Indien sich dem westlichen Standard annähere, sondern wohl darum, vertrottelte Gesetze rückgängig zu machen. Historisch war Indien gegenüber sexueller Differenz immer liberal. In die Feiern über die Entscheidung des Gerichts platzte aber gleich ein relativierendes Statement des Sprechers der indischen Bischofskonferenz, die Homosexualität trotzdem für moralisch inakzeptabel hält. Weil die passt nämlich nicht zur Schöpfung, fügte der Mann hinzu, während er seine angeborene Sexualität in seine alberne Soutane schwitzte.

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