Enthusiasmus Kolumne der Superlative

Das beste Orchester der Welt der Woche

SEBASTIAN FASTHUBER
Feuilleton, FALTER 38/18 vom 19.09.2018

Für die Rockmusik waren die 1970er eine harte Zeit. Die Egos der Stars wurden größer, die Drogen härter. Musikalisch dominierte überproduzierter Bombast, der oft nur das Fehlen griffiger Ideen kaschieren sollte. Auf dem Papier tappte der Brite Jeff Lynne mit seinem Electric Light Orchestra, das damals mehr ein Studioprojekt als eine Band war, in genau diese Falle.

Der Beatles-Fan schrieb Songs, die melodisch und harmonisch seinen Idolen nacheiferten, und blies sie mittels Streicherarrangements und den Möglichkeiten der Studiotechnik zu Mini-Sinfonien auf. Doch welche süße Freuden "Don't Bring Me Down" (alleine das Schlagzeug!),"Mr. Blue Sky" oder "All Over the World" bereithielten. Wann und wo auch immer eines dieser Lieder erklingt, heben sie sofort die Laune. Eben wie bei einem Beatles-Song.

Trotzdem galten ELO unter allen, die etwas auf ihren Musikgeschmack hielten, lange als völlig inakzeptabel, als Irrtum der Popgeschichte, ja schlimmer noch als Queen. Wer ihre Musik hörte, war ein Bauer, nie erwachsen geworden und verweigerte sich jeglichem Fortschritt. Nur sind die Songs aus der Feder von Jeff Lynne - noch ein paar in die Runde geworfen: "Livin' Thing","Evil Woman","It's Over","Rock'n'Roll Is King","Confusion" und natürlich auch "Xanadu" - halt stärker und hartnäckiger als jede Geschmackspolizei. Sie haben einfach den längeren Atem.

In den letzten Jahren bekannten sich denn auch immer mehr coole Szene-People und Underground-Vögel zu ihrer ELO-Liebe, die sie davor sorgsam geheim gehalten hatten. Am 23. September wird das elektrische Licht-Orchester in der Wiener Stadthalle seine größten Hits spielen. Viele Männer um die 50 in etwas eng gewordenen Shirts werden sehr happy sein.

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