Ohren auf Klassik

Kammermusik, klassisch und ungewöhnlich

MIRIAM DAMEV
Feuilleton, FALTER 38/18 vom 19.09.2018

Seit 20 Jahren zählt das Kammermusikfestival Spannungen zu den bemerkenswertesten seiner Art. Im Wasserkraftwerk Heimbach an der Eifel werden außergewöhnliche Programme von Barock bis zu neuester Musik geboten, jährliche Uraufführung inklusive. 2017 unternahm das Festival einen Streifzug durch das Duo-und Trio-Repertoire. Der lässt sich nun auf zwei Livemitschnitten nachhören, die das Label CAvi-music veröffentlicht hat.

Kammermusikalisches aus Frankreich, Algerien, Polen und Amerika eint "Cantilène" mit Florian Donderer (Violine), Asya Fateyeva (Saxofon) und Kiveli Dörken (Klavier). Neben Gershwins swingenden "Drei Préludes" für Saxofon und Klavier sowie Lutosławskis neobarocker "Partita" für Violine und Klavier erklingen auch zwei Trios in ungewöhnlicher Besetzung. Während Marc Eychenne bei seiner "Cantilène et Danse" das Saxofon in den Mittelpunkt stellt, lässt Francis Poulenc das Klavier Seite an Seite mit Oboe und Fagott musizieren - elegant, fantasievoll, pointiert und frech, dabei klassisch und doch sehr à la française.

Zu den Klassikern des Repertoires gehört Antonín Dvořáks Trio für Violine, Cello und Klavier in g-Moll, das auf "Trio &Quartet" gemeinsam mit Josef Suks Klavierquartett erklingt. Christian Tetzlaff (Violine), Maximilian Hornung (Cello) und wiederum Kiveli Dörken gehen dabei aufs Ganze und liefern eine Stunde geballte Energie symphonischen Ausmaßes.

Ebenfalls bei CAvi ist die exzellente Aufnahme "Piano Trios" erschienen. Tschaikowskis monumentales Klaviertrio in a-Moll spielt das Boulanger Trio energisch, klangschön und zugleich perfekt ausbalanciert. Dem stellen die drei Musikerinnen Paul Juons "Litaniae" gegenüber: ein kaleidoskopisches Tongemälde zwischen punktierten Rhythmen und chromatischen Akkordverschiebungen, virtuosen Doppelgriffpassagen und innigen Kantilenen.

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