Film Neu im Kino

Große kleine Tragödie: "Zerschlag mein Herz"

Sabina Zeithammer
Lexikon, FALTER 40/18 vom 03.10.2018

Um seine Familie nach dem Tod seines Vaters finanziell zu unterstützen, hat der junge Rom Pepe sein bitterarmes slowakisches Dorf verlassen und arbeitet als Bettler für seinen Onkel Rocky in Wien. Dieser führt als mafiöser Boss das Regiment über eine kleine Gemeinschaft, die sich eine Hinterhofwohnung teilt - denn in der patriarchalen Roma-Gesellschaft hat das männliche Familienoberhaupt das Sagen.

Es ist Hochsommer in Wien, als Marcela eintrifft, um die Schulden ihres Vaters an Rocky abzuarbeiten. Der Prostitution entgeht sie gerade noch, stattdessen soll Pepe ihr zeigen, wie man bettelt. Es dauert nicht lang, bis die beiden Teenager sich ineinander verlieben. Doch Rocky hat selbst ein Auge auf Marcela geworfen.

Mit ihrem aufwendig in slowakischen Romadörfern recherchiertem Langfilmdebüt "Zerschlag mein Herz" erzählt die slowakische Regisseurin Alexandra Makarová eine "Romeo und Julia"-Geschichte nach wahren Begebenheiten. Dem Eintauchen in eine von Armut, Gewalt und Perspektivlosigkeit geprägte Parallelgesellschaft steht dabei der lebenshungrige Blick der Jungverliebten entgegen: Alles leuchtet in buntem Licht, wenn Marcela und Pepe durch die Wiener Nacht ziehen. Der Charme des Spiels zweier blutjunger Schauspieldebütanten -Simona Kováčová war erst 15 Jahre alt, den 17-jährigen Roman Pokuta engagierte die Regisseurin aus dem größten Slum der Ostslowakei - und zarte experimentelle Kunstgriffe wie Farbspiele, Zeitlupen und aus der Handlung herausgehobene Einzelbilder erinnern gleichzeitig an Franco Zeffirellis (1968) und Baz Luhrmanns (1996) berühmte Adaptionen der Tragödie. Zum Schluss ist "Zerschlag mein Herz" ganz Shakespeare und ganz eigenes, kraftvolles Werk, gekrönt mit einem herzzerreißend schönen Lied des russischen Roma-Ensembles Loyko.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Top)

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