Selbstermächtigung zum Selbstporträt

In „Sie ist der andere Blick“ arbeitet die Filmemacherin Christiana Perschon mit der heimischen Künstlerinnen-Avantgarde der 1970er-Jahre zusammen

DOMINIQUE GROMES
16.10.2018

Frauen wie Lore Heuermann, die in den 1970ern als Künstlerinnen aktiv waren, konnten gar nicht anders, als auch politisch aktiv zu werden (Foto: Christiana Perschon)

Die 16-mm-Kamera beobachtet eine junge Künstlerin, wie sie die Leinwand grundiert. Mit einem dicken Pinsel verteilt sie weiße Farbe, von links nach rechs, von oben nach unten. Dann holt sie die nächste Leinwand. Aus dem Off dringen die Stimmen älterer Frauen. Eine nach der anderen erinnert sich daran, wie die gesellschaftliche Situation in Österreich vor 40 Jahren war, als sie damit begannen, ihr künstlerisches Selbstverständnis zu entwickeln.

„Ich bin – als junge Künstlerin – selbst noch auf der Suche nach meinem Lebensweg“, erklärt Christiana Perschon den Antrieb zu ihrem Debütfilm, „das heißt: Kunst machen zu können und – ich sage jetzt nicht: davon leben zu können – Lebensstrategien zu finden, damit sich das ausgeht. Und diese Lebensstrategien haben ganz viel damit zu tun, nicht nur Künstlerin zu sein, sondern auch Frau zu sein.“ Mit den fünf – heute legendären – Kunstpionierinnen verbindet die Regisseurin langjährige und inspirierende Freundschaften: „Ich war auf der Suche nach weiblichen Vorbildern. Auf der Suche nach Frauen, die mir zeigen, wie es gehen kann.“

Renate Bertlmann, Linda Christanell, Lore Heuermann, Karin Mack und Margot Pilz – das sind fünf jener vielen Frauen, die feministische Kunst gemacht haben, lange bevor das in Österreich so genannt wurde. Oder, anders formuliert: Frauen, die in den 1970er-Jahren als Künstlerinnen aktiv waren, konnten gar nicht anders, als auch politisch aktiv zu werden. Im Film erzählen die fünf: „Es ist so formuliert worden: dass Frauen nicht kreativ sein können, weil sie durch die Mutterschaft definiert sind.“ „Es gab Galerien, die gesagt haben: einmal im Jahr eine Frau ausstellen, das reicht.“ „Ich bin in die Dunkelkammer gegangen, um zu entwickeln und der Professor ist mir nachgegangen, hat zugesperrt und angefangen, zu fummeln.“ „Natürlich, die 68er-Bewegung. Der Aktionismus. Die Aktion auf der Uni. Aber das waren alles Männer. Und die Frauen waren Objekte. Ich hab mich darin nie gesehen.“

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