Die Welt könnte so schön sein: Soap&Skins überraschend zärtliches drittes Album

Feuilleton, FALTER 42/18 vom 17.10.2018

Ungewöhnlich ist einiges an dieser Platte, das schwelgerische Lied "Heal" etwa. Zu zarter Elektronik und noch zarteren Bläsern betrachtet Soap&Skin, nicht zuletzt bekannt für emotionale Schwere, ihre Narben. Sie sagt sich los von Ängsten, überrascht durch einen herzhaften Jodler, der wie ein Befreiungsschlag klingt, und lässt ihre Tochter mit filigraner Kinderstimme vier wichtige Worte sprechen: "I have no fear!"

Nein, frei von Dramatik ist auch das sperrig "From Gas To Solid / You Are My Friend" betitelte dritte Album nicht, man höre nur das beklemmende "(This Is) Water" oder das wuchtige Orgelstück "Falling". Der Tenor dieser dramaturgisch geschickt aufgebauten zwölf Lieder ist aber ein anderer: sanft, zärtlich und tröstlich, selbst wenn die Texte teils tieftraurig sind.

Das aus Klavier und Elektronik bestehende Kerninstrumentarium erweitert Soap&Skin vermehrt um Bläser und Streicher. Trotz kleiner Spielereien und einem neuen stilistischen Facettenreichtum hält sie letztlich an der erprobten Maxime des "Weniger ist mehr" fest und schafft so erneut intime Momente voll berückender Emotionalität.

Auf die gespenstische Teufelsbeschwörung "Palindrome", lateinisch gesungen, folgt ganz am Schluss der rührendste Moment des Albums: Louis Armstrongs melancholisch gefärbter Klassiker "What a Wonderful World", ganz leise und zart interpretiert, mehr "gas" als "solid", vor allem aber: unfassbar schön.

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