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Das Problem mit der Whatsapp-Werbung

BERICHT: ANNA GOLDENBERG
Medien, FALTER 45/18 vom 07.11.2018

Was wochenlang als Gerücht kursierte, ist seit vergangener Woche nun bestätigt: Der Messenger-Dienst Whatsapp wird Werbung schalten. Wer sich die Entwicklung von Whatsapp ansieht, seit es 2014 von Facebook für 16 Milliarden Dollar gekauft wurde, für den kommt die Ankündigung wenig überraschend. Problematisch ist sie dennoch.

Denn um effektive, möglichst zielgerichtete Werbung zu schalten, sind persönliche Informationen über die Nutzer notwendig. Alle auf Whatsapp versendeten Nachrichten sind Endezu-Ende-verschlüsselt. Das bedeutet, dass nur Sender und Empfänger auf die Inhalte zugreifen können. Datenschützer befürchten nun, dass Whatsapp diese Entschlüsselung umgehen könnte, um mitzulesen. Facebook verneint solche Ambitionen - doch in der Vergangenheit hatte es bereits ähnliche Versprechen gebrochen: Als es 2014 Whatsapp übernahm, hatte es zugesagt, dass es unmöglich sei, Daten von Whatsapp und Facebook-Nutzern automatisch auszutauschen.

Zwei Jahre später verkündete Facebook, genau das zu tun. Die EU-Kommission verdonnerte Facebook deshalb zu einer Strafe in der Höhe von 110 Millionen Euro; im März 2018 bestätigte das Oberverwaltungsgericht Hamburg, dass diese Praxis illegal sei. Kommunizieren beispielsweise zwei Nutzer nur über Whatsapp und haben keinen Facebook-Account, landen ihre Daten dennoch beim Mutterkonzern Facebook. Aus Facebook-Sicht ist es allerhöchste Zeit, Whatsapp zu monetarisieren, denn es wächst - im Gegensatz zu Facebook selbst - rasant. Es hat 1,5 Milliarden Nutzer weltweit und ist in Österreich auf 88 Prozent aller Smartphones installiert.

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