Zu Besuch im Modeuniversum der Sengls

Es gibt so etwas wie einen Wiener Stil, abseits des universellen Bloggertums: Deborah und Stefan Sengl haben sich als Ehepaar ihre eigene Modewelt geschaffen


BARBARA TóTH

STADTLEBEN, FALTER 46/18 vom 13.11.2018

Foto: Christian Wind

Der Künstlerin Deborah Sengl wurde das Mode-Ding in die Wiege gelegt. 1974 in eine Künstlerfamilie geboren, war Kleidung von Anfang an Ausdruck von Individualität und Persönlichkeit. Ihre Eltern, das Malerehepaar Susi und Peter Sengl, kleideten die einzige Tochter ein – nach ihrem exzentrischen Geschmack. Austro-Avantgarde. Sie war, was man heute ein Mini-Me nennen würde. Als sie mit kariertem Rock, Stutzen, Haferlschuhen und Sakko in die Schule kam, wurde sie ausgelacht.

Überhaupt, die Schule. Sengl ging ins Lycée, eine französischsprachige Privatschule in Wien, die von vielen Diplomaten- und Expats-Kindern besucht wird. „Der Markendruck hat mich sehr geprägt“, erinnert sich Sengl, sie greift das Thema mit Logos und Werbeästhetik in ihrer Kunst bis heute regelmäßig auf. NafNaf, Chevignon, Levi’s waren Must-haves, und weil Sengls Eltern ihrer Tochter die Markenkleider verweigerten, begann sie, sie zu fälschen. „Ich habe mich in die Gruppe, der ich angehören wollte, hineingetarnt“, sagt sie heute. Tarnen und Täuschen, Körper, die etwas anderes zu sein vorgeben, als sie sind, auch dieses Thema ist in Sengls Arbeiten als Künstlerin ein immer wiederkehrendes Motiv.

Wie sehr die Adoleszenz den eigenen Stil prägt, davon kann auch Unternehmens- und Politikberater Stefan Sengl erzählen. 1974 geboren, wuchs er im konservativen Salzburg auf. Da war es nicht sonderlich schwer, im Stadtbus zwischen lodenbemantelten Damen aufzufallen. Sengl trug die abgetragenen Sachen seiner älteren Schwester, er ließ sich die Haare schulterlang wachsen, dann formte er sie zum smaragdgrünen Irokesen. Die Farben dafür kaufte er sich bei Interrail-Reisen nach Berlin, genauso wie seine ersten Doc Martens und den schwarzen Ledermantel. Und das jahrelang.

  506 Wörter       3 Minuten
Bestellen Sie hier ein FALTER-Abo Ihrer Wahl inklusive Online-Zugang, um diesen sowie alle anderen FALTER-Artikel sofort im Volltext zu lesen.
Holen Sie sich hier Ihren Online-Zugang und lesen Sie diesen sowie alle anderen FALTER-Artikel sofort im Volltext.

Lesen Sie diesen Artikel in voller Länge mit Ihrem FALTER-Abo-Onlinezugang.

Passwort vergessen?
Bitte liken Sie den FALTER auf Facebook:
Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Alle Stadtleben-Artikel finden Sie in unserem Archiv.

Anzeige

Anzeige