„Ich habe mir gewünscht: Musik“

Willi Resetarits wird 70 und feiert seinen Geburtstag mit vielen Bands in der Wiener Stadthalle


STEFANIE PANZENBöCK

FALTER:WOCHE, FALTER 51/18 vom 18.12.2018

Foto: Lukas Beck / www.LukasBeck.com

Willi Resetarits steht seit über 50 Jahren auf den Bühnen dieses Landes. Er wurde mit der politischen Folkband Schmetterlinge bekannt und verkörperte danach die Figur des Ostbahn-Kurti. Seit dessen Frühpensionierung ist Resetarits in unterschiedlichen Konstellationen aktiv, etwa mit dem Songwriter Ernst Molden oder der Band Stubnblues. Zum 70. Geburtstag am 21. Dezember erscheint die Biografie „Ich lebe gern, denn sonst wäre ich tot“, aufgeschrieben von Christan Seiler. Gefeiert wird Anfang Jänner in der Wiener Stadthalle. Dorthin hat Resetarits alle Musikerkollegen eingeladen, auch seine allererste Band, die 1965 gegründet wurde: The Odds.

Falter: Herr Resetarits, 1965 waren Sie 17 Jahre alt. Wie kam Ihre erste Band The Odds damals zustande?

Willi Resetarits: The Odds war die Beatband meiner Klasse im Gymnasium im zehnten Bezirk. Denn wenn man vorn dabei sein wollte, musste man in einer Beatband sein, und Damen hätten wir auch gern kennengelernt. Also haben wir gedacht, wenn wir auf der Bühne wild ausschauen und gefährlich spielen, dann werden die Madln schon kommen.

Wer waren die musikalischen Vorbilder von The Odds?

Resetarits: Wir haben uns sehr an den Kinks orientiert und auch ein, zwei Nummern von den Rolling Stones gespielt. Wenn jemand Platten gehabt hat und vielleicht sogar ein eigenes Jugendzimmer, ist man dort gesessen, hat geraucht und die neuesten Scheiben analysiert. Jedes Jahr wurde die Musikgeschichte neu erfunden. 1963 hat es zart begonnen, 1965 hat man schon The Who gehört, „My Generation“. Am Ende unserer Karriere, 1967, plötzlich „Hey Joe“ von Jimi Hendrix.

Sind die Mädels eigentlich wie erhofft zu den Auftritten gekommen?

Resetarits: Wir waren ja alle so verkorkst. Ein Mädchen, das gekommen wäre, hätte sich von selbst disqualifiziert. Denn wenn sich eine für so ein Grammel wie mich interessiert, kann sie gar nicht viel loshaben. So habe ich damals gedacht. Deshalb musste ich dann mit dem Ostbahn-Kurti eine Spätpubertät ausrufen, um das alles aufzuholen. Da ist plötzlich alles viel g’schmeidiger gegangen.

Wie haben die Bandkollegen von The Odds reagiert, als Sie sie nach über 50 Jahren kontaktiert haben?

Resetarits: Wir haben uns alle auf einen Kaffee getroffen. Beim zweiten Blick ist das Greisenhafte aus den Gesichtern verschwunden, und ich habe wieder die Teenagergesichter gesehen. Dann haben wir uns ein Seidl nach dem anderen umg’hängt und die 50 Jahre dazwischen vergessen.

Es ist gerade die Zeit der Wünsche: Sie haben Geburtstag, es kommt Weihnachten. Welche Wünsche
hatten Sie damals, nach The Odds?

Resetarits Ich habe das gemacht, was ich heute auf eine etwas weisere Art mache: gewartet, was das Schicksal bringt. Nur, das Warten wird gelenkt durch Wünsche. Und ich habe mir gewünscht: Musik. In der Wirklichkeit habe ich ein Lehramtsstudium begonnen. Bei der Berufsberatung haben sie auch nicht gewusst, wie man Musiker in einer wilden, gefährlichen Band wird.

Dann sind die Schmetterlinge entstanden. Eine gefährliche Band?

Resetarits: Die ältere Generation hat geglaubt, wir sind gefährlich. Das ist der Hauptteil der Miete. Das Wilde an den Schmetterlingen war das Linksradikale, obwohl wir persönlich sehr zuvorkommend waren.

Seit einem halben Jahrhundert stehen Sie in der Öffentlichkeit, vor allem durch die Figur des Ostbahn-Kurti. Wie ist das Öffentlichsein?

Resetarits: Ich kann mich für die Öffentlichkeit nicht verstellen. Ich bin so, wie ich bin, und der Kurti musste auch so sein, wie ich, der Willi, bin. Nur hat die Figur des Ostbahn-Kurti so gut funktioniert, dass die Menschen uns als zwei verschiedene Personen wahrgenommen haben. Ich bin gut damit gefahren, dass ich authentisch bin, und fühle mich wohl auf der Bühne. Dazu gehört auch, dass man die Leute, die zuhören, gern hat.

Sie haben das Integrationshaus gegründet und sich auch immer politisch deklariert. Gehen Sie
auf die Donnerstagsdemos?

Resetarits: Einmal war ich dort, gerade am kältesten Tag. Da habe ich geglaubt, dass mich der Teufel holt. Aber plötzlich hat mich das so gewärmt, wie viele Leute da waren. Denen war auch kalt. So etwas berührt mich tief.

Was wünschen Sie sich zu Ihrem
70. Geburtstag?

Resetarits: Ich habe mir gewünscht, dass alle Kollegen mit mir auf der Bühne stehen. Das ist erfüllt. Und ich habe mir gewünscht, dass mein Lieblingspublikum kommt. Ist alles schon voll. Ich werde weiterspielen, anlässlich meines Geburtstags zurückgeschaut haben, dann werde ich wieder ein bissl vorausschauen. Und mir denken: The best is yet to come.


Wiener Stadthalle, Halle F, 4. und 5.1.

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