Landrand Ruralismus

Unerwartete Nebenwirkungen


Gerlinde Pölsler

Landleben, FALTER 02/19 vom 09.01.2019

Hirschgulasch, Sauerkraut mit Knödel, Kässpätzle: Die Wirtsleute rennen, die Hütte ist voll, ein Rein und Raus von Skitourengehern und Schlittenfahrern. Die Rodelstrecke rasant, der Wald frisch beschneit. So war es um den Jahreswechsel auf der beliebten Edelrautehütte in Hohentauern.

Zehn Tage später ist Hohentauern ein Katastrophengebiet. Seit Tagen sind 550 Menschen im Ort eingeschlossen. Häuser mussten evakuiert werden, für den Fall, dass eine Lawine sie einfach wegschiebt. "Die Situation ist, gelinde gesagt, beschissen", sagt der Bürgermeister.

Wie muss es da erst denen auf der Edelrautehütte gehen? Sie kommen nicht einmal ins gesperrte Hohentauern runter, die Straße ist zugeschneit. Nur sieben Leute sind noch oben. Aber denen gehe nichts ab, versichert die gutgelaunte Wirtin am Telefon: "Wir haben noch 100 Liter Milch, genug Eier, Brot, genug Diesel. Alles genug." Die Tochter lerne für die Uni, sie selbst schreibe an etwas. "Um uns braucht sich keiner Sorgen zu machen!" Täuscht der Eindruck, dass die Lage gar nicht so unwillkommen ist?"So ist es", sagt die Wirtin: "Ich mache gerade all das, zu dem ich sonst nie komme."

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