Schema MAHÜ

Mit der Rotenturmstraße bekommt Wien seine nächste Begegnungszone. Ist sie die Wunderwaffe zur Rückeroberung des öffentlichen Raums?

Birgit Wittstock
STADTLEBEN, FALTER 04/19 vom 22.01.2019

Diese fünf Frauen gestalten die Rotenturmstraße um (v.l.n.r.): Helga Wagner von der Wirtschaftskammer, Clarissa Knehs von der MA 19 (Stadtgestaltung), Beatrix Rauscher, Projektleiterin und Referentin, Maria Vassilakou, Stadträtin und Vizebürgermeisterin und Petra Ebert, MA 28 (Straßenbau)
(Foto: Heribert Corn)

Maria Vassilakou friert. An diesem Jännernachmittag pfeift der Wind schneidend über den Schwedenplatz. Sie zieht ihre dicke Wollhaube vom Kopf. „Los geht’s“, sagt sie. Die grüne Planungsstadträtin und Vizebürgermeisterin ist gekommen, um ihr Gesicht für eines ihrer aktuellen Projekte zu zeigen: die Begegnungszone Rotenturmstraße. Vassilakou hat ihr Team mitgebracht: ihre Referentin und Projektleiterin Beatrix Rauscher, Helga Wagner von der Wirtschaftskammer Wien, Clarissa Knehs von der MA 19 (Stadtgestaltung) und Petra Ebert von der MA 28 (Straßenbau). Fünf Frauen, die ein Stück Stadt umgestalten. Eine Seltenheit in Wien.

Bis sie endlich für das Foto auf dem Zebrastreifen Aufstellung nehmen können, dauert es: Ständig rollen Autos die Einbahn zum Schwedenplatz hinunter. Doch bald soll die Straße allen gehören. Dann wird auf den knapp 400 Metern, auf denen sich derzeit täglich bis zu 60.000 Fußgänger auf schmalen Gehsteigen drängen und 3000 Autos fahren, Raum zum Flanieren und Verweilen geschaffen. An der Rotenturmstraße Neu wird im Eiltempo gearbeitet: Noch im November dieses Jahres, rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft, soll die Begegnungszone fertig werden. Die Renderings erinnern an eine Miniversion der Mariahilfer Straße: Aus der engen grauen Durchzugsstraße soll ab dem Lugeck eine großzügige Allee mit 16 Ginkgobäumen werden, mit Gastgärten, Trink- und Fontänenbrunnen, Sitzbänken, taktilem Leitsystem und schicken Granitplatten. Es ist eines der letzten Projekte, die Maria Vassilakou auf Schiene bringt.

Die Begegnungszone und Maria Vassilakou – der Begriff und der Name sind in Wien untrennbar miteinander verbunden. Die Mahü Neu markierte den Beginn ihrer Ära, die Rotenturmstraße nun, wenige Monate, ehe sie ihren Posten an Birgit Hebein übergeben wird, das Ende. Bis Vassilakou mit viel Getöse die Mariahilfer Straße zur Begegnungszone ernannte, wusste Wien mit dem Begriff nichts anzufangen. Die gleichwertige Einbeziehung aller Verkehrsteilnehmer schien 2013 eine exotische Idee. Die Reduktion von Parkplätzen ein Skandal. Dabei hatten SPÖ-Bürgermeister Michael Häupl und Vassilakou bereits 2011 in der Smart-City-Rahmenstrategie festgelegt, dass sich der motorisierte Individualverkehr in Wien bis 2030 auf 15 Prozent reduziert haben soll. Ein ambitioniertes Ziel, das radikale Maßnahmen erfordert.

ANZEIGE
  1535 Wörter       8 Minuten

Sie haben bereits ein FALTER-Abo?


Sie nutzen bereits unsere FALTER-App?
Klicken Sie hier, um diesen Artikel in der App zu öffnen.

Jetzt abonnieren und sofort weiterlesen!

Jetzt abonnieren und sofort weiterlesen!

Print + Digital

  • FALTER sofort online lesen
  • Wöchentliche Print-Ausgabe
  • FALTER als E-Paper
  • FALTER App für iOS/Android
  • Rabatt für Studierende
Jetzt abonnieren

1 Monat Digital

  • FALTER sofort online lesen
  • FALTER als E-Paper
  • FALTER App für iOS/Android
Jetzt abonnieren

Digital

  • FALTER sofort online lesen
  • FALTER als E-Paper
  • FALTER App für iOS/Android
  • Rabatt für Studierende
Jetzt abonnieren
Bitte liken Sie den FALTER auf Facebook:
Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Alle Stadtleben-Artikel finden Sie in unserem Archiv.