Neue Bücher

Böse Menschen und eine Sozialgeschichte der Kunst

Feuilleton, FALTER 07/19 vom 13.02.2019

Der Sklavenmarkt bringt 150 Milliarden pro Jahr. Das ist keine Schlagzeile aus dem alten Rom, sondern eines der Ergebnisse von Julia Shaw, gerechnet in US-Dollar. Außer von Sklaven ist unter dem sprechenden Titel "Böse" von Pädophilie, Serienmord, Kannibalismus, Cyberkriminalität und Ausbeutung zu lesen. Die Rechtspsychologin Shaw zitiert Studien, sucht nach psychischen und sozialen Gründen und moralischen Kategorien.

Eindeutig fällt die Antwort in zwei langen Kapiteln zu sexuellen Vorlieben aus: Gut ist, was einvernehmlich geschieht. Hier erfahren wir, dass Julia Shaw bisexuell ist. Damit wird das Buch selbst zum Anschauungsmaterial . Gelingt es ihm, mutig Tabuthemen anzusprechen (gut), oder stellt die Autorin eine nicht einvernehmliche Intimität mit dem Leser her (böse)? Es gelingt. Präzise recherchiert und mit leichter Hand geschrieben macht Julia Shaw damit ein schwieriges Thema zugänglich. ANDREAS KREMLA

Julia Shaw: Böse. Die Psychologie unserer Abgründe. Hanser, 320 S., € 22,70

Sie beginnt in der Älteren Steinzeit und endet Mitte des 20. Jahrhunderts beim Film. 1951 erschien das Standardwerk "Sozialgeschichte der Kunst und Literatur". Arnold Hauser (1892-1978), der zum Budapester Sonntagskreis um Georg Lukács gehörte, hatte ursprünglich auf Bitten seines Freundes Karl Mannheim ein Vorwort zu einer Anthologie schreiben sollen. Daraus entstand in zehnjähriger Arbeit ein Werk, in dem Hauser die soziale Entwicklung von Kunst, Musik, Theater, Literatur und Film grenzüberschreitend durch alle Zeitalter hindurch darzustellen vermochte.

Nun sind die beiden Bände als ein 1000-Seiten-Ziegel neu aufgelegt worden. Das ist erfreulich. Aber was heißt das für potenzielle Leser? Zum Beispiel, ein paar verregnete Wochenenden im Bett zu bleiben und Zusammenhänge und Wechselbeziehungen zwischen Kunst und Gesellschaft nachzuvollziehen. Anspruchsvoll, aber lohnend. SEBASTIAN GILLI

Arnold Hauser: Sozialgeschichte der Kunst und Literatur. C. H. Beck, 1119 S., € 41,10

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