Ohren auf Klassik

Nicht immer still, die Musik aus dem Exil

MIRIAM DAMEV
Feuilleton, FALTER 09/19 vom 27.02.2019

Seit dem Jahr 2012 beschäftigt sich der Verein EntArteOpera mit dem Werk "entarteter", von den Nazis verfolgter und ermordeter Komponisten. Noch schwieriger war es für ihre weiblichen Kolleginnen -nur ganz wenigen gelang es, ihr künstlerisches Schaffen fortzusetzen bzw. ihre Arbeit im Exil wieder aufzunehmen. "EntArteOpera Festival -Kammermusik &Lieder" (Gramola) porträtiert einige unter ihnen, etwa Vally Weigl, Wiener Komponistin und Musiktherapeutin, oder Charlotte Schlesinger, die bei Schreker und Hindemith ausgebildet wurde. Ebenfalls eine Entdeckung wert: die Kammermusik der niederländischen Cellovirtuosin Henriette Bosmans oder jene der hochbegabten Brünner Komponistin und Dirigentin Vítězslava Kaprálová, die kurz vor der Deportation mit nur 25 Jahren an Tuberkulose starb.

Nicht gerade zimperlich ging Königin Elisabeth I. mit ihren katholischen Untertanen um. Und so gingen einige der talentiertesten englischen Musiker wie Philips, Dering und Dowland ins Exil. Andere wählten den Weg in die innere Emigration. Unter ihnen Robert White, dessen umwerfend schöne, fünfstimmige Lamentations auf der CD "In a Strange Land -Elizabethan Composers in Exile" (HM) ebenso zu hören sind wie William Byrds achtstimmige Kantate "Quomodo cantabimus". Hinreißende Musik, gesungen vom Stile Antico, einem der besten Vokalensembles überhaupt.

Gelobt, gedemütigt, geächtet -Schostakowitsch litt lebenslang unter dem Sowjetregime. Er musste in geistiger Isolation leben. Seine Koffer waren immer gepackt, stets bereit, sein Land zu verlassen. Mit "Dmitri Shostakovich -Under Stalin's Shadow" (DG) führt Andris Nelsons mit dem Boston Symphony Orchestra seinen Schostakowitsch-Zyklus fort. Dieses Mal stehen die Sinfonien 6 und 7 auf dem Programm sowie dessen Schauspielmusik zu König Lear und die Festouvertüre. Brutal schöne Musik, die einen ordentlich ins Sofa drückt.

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