Kunst Tipp

Ikonen aus Alufolie, Fächer aus Blumenstoff

Lexikon, FALTER 10/19 vom 06.03.2019

Bei unserer Bewegung hielten sich die Frauen an die geometrischen und die Männer an die floralen Muster", erklärte die 75-jährige Künstlerin Valerie Jaudon zur Schau "Pattern and Decoration" im Mumok, bei der sie mit frühen Werken vertreten ist. Schon allein um sich diese gendermäßig ungewöhnliche Stilverteilung anzusehen, lohnt ein Besuch der Schau. Um 1975 hatte ein gutes Dutzend New Yorker Künstlerinnen und Künstler den dominierenden Minimalismus satt und begann (traditionell oft als "weiblich" abgewerteten) Dekor aus dem Alltag, aus angewandter Kunst und aus fremden Kulturen in seinen Arbeiten zu verarbeiten. Zu welch ungewöhnlichen Ergebnissen das führte, demonstrieren die Arbeiten, die der Sammler Peter Ludwig um 1980 erworben hat. So hat sich etwa Thomas Lanigan-Schmidt mit byzantinischer Kunst und Ikonenmalerei befasst und produzierte 1977/78 aus Billigmaterial wie Alu-und Frischhaltefolie einen Altarraum aus einer orthodoxen Kirche. Noch mehr Eindruck hinterlässt jedoch seine Skulptur "A Rite of Passage", in der er religiösen mit weltlichem Kitsch verdichtet.

Die Vertreter von P&D schöpften auch aus der Kunstgeschichte, wie etwa Robert Kushners aus Stoff gemaltes Bild "Rivals" demonstriert, für das der deutsche Expressionismus Pate stand. Miriam Shapiro bezog sich mit ihren Textilarbeiten hingegen auf Traditionen weiblicher Handarbeit wie die amerikanische Quilt-Näherei. Die Künstlerin verband Stoffstreifen zu großen Fächerformen und bezeichnete sie als "Femmage", anstelle von Hommage. Mit bereits vorhandenen Tapeten und Stoffen arbeitete hingegen die Künstlerin Tina Girouard, die etwa Wandschmuck des Biedermeiers oder Vintage-Seidenstoffe installativ verarbeitete. Am 21. März führt die Kuratorin Manuela Ammer um 19 Uhr durch ihre Ausstellung.

Mumok, bis 8.9.

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