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Junger und alter Hoffmann in toller Inszenierung

Lexikon, FALTER 10/19 vom 06.03.2019

Maurice Ravels "Fantaisie"-Einakter "L'enfant e les sortilèges" und den "Olympia"-Akt aus der Opéra fantastique "Les contes d'Hoffmann" von Jacques Offenbach an einem Abend zusammenzuspannen erwies sich als geglückte Idee. Es gibt in der Tat Parallelen in den fantastischen Handlungen: Wenn etwa in "L'enfant" plötzlich ein Professor einem der Bücher entsteigt, in denen der ein bisschen zerstörerische Bub (sehr gut: Tatiana Kuryatnikova) nach einer von ihm geliebten Prinzessin (aus Ilona Revolskaya wird Olympia) suchte, und gemeinsam mit einem Chor die Arithmetik (" metique metique") skandiert oder wenn der Erfinder der mechanischen Puppe Olympia Spalanzani (auch ihn verkörpert Johannes Bamberger) die Physik ("physique, physique") beschwört, ergeben sich durchaus Seelenverwandtschaften der beiden Komponisten.

Die Regie von Barbora Horáková-Joly versucht, den schlimmen Knaben, den allerlei Gegenstände, Tiere und Fantasiegestalten bedrohen, weil er sie alle kaputtgemacht, eingesperrt oder mutwillig verletzt hat, als "Hoffmann als Kind" darzustellen, dessen Erlebnisse der im zweiten Teil noch immer kindische und kindlich leichtgläubige erwachsene Hoffmann (Quentin Desgeorges) eifrig protokolliert hat. Mit wunderbaren szenischen Einfällen und einer manchmal geradezu akrobatischen Choreografie (dargestellt werden auch Eichhörnchen, Eule, Nachtigall, Fledermaus und Katzen) ist dieser Abend mit dem jungen Ensemble und Gästen -auch durch gute musikalische Kammerfassungen -zu einem zauberhaften, überzeugenden und empfehlenswerten Opernabend geraten. Und: Es darf positiv vermerkt werden, dass diese JET-Sängerinnen der Kammeroper das geforderte Koloraturensingen jedenfalls besser beherrschen als zuletzt die der "Lucia di Lammermoor" in der Staatsoper.

Kammeroper, Fr, Mo, Mi 19.00

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