Kunst Tipp

Sphärisch: Wo Farbe in Feldern leuchtet

Lexikon, FALTER 10/19 vom 06.03.2019

Seine Kunst kommuniziere mit elementaren menschlichen Bedürfnissen, sagte der Maler Mark Rothko ein einem Interview 1956. "Die Menschen, die vor meinen Gemälden zu weinen beginnen, haben dieselbe religiöse Erfahrung, die ich hatte, als ich sie malte." Mittlerweile existiert im texanischen Houston eine Kirche mit seinen Bildern, die sogenannte Rothko Chapel. Seine unverkennbare Farbfeldmalerei ist auch in der Liste der weltweit teuersten Kunstwerke zu finden. Das Kunsthistorische Museum bringt die Bilder des US-Künstlers nun mit Werken aus der eigenen Sammlung zusammen, hat sich doch Rothko intensiv für alte Kunst interessiert. Die jetzige Schau, die in Kooperation mit den Erben des Künstlers entstanden ist, stellt die erste Retrospektive in Österreich dar.

Der kleine Markus Rothkowitz wurde 1903 in eine jüdische Familie in Lettland geboren und bestieg mit zehn Jahren das Schiff, das ihn nach New York brachte. Als junger Künstler schätzte Rothko den Surrealismus; bei späteren Reisen nach Italien beeindruckten ihn vor allem die Fresken von Fra Angelico in Florenz. Als abstrakter Expressionist entwickelte Rothko um 1950 den nonfigurativen Stil "Colour Field", dem auch Barnett Newman und Clyfford Still damals folgten.

Das Herz der Wiener Schau, die 40 Bilder versammelt, bilden großformatige Arbeiten aus den Jahren 1958/59, die ursprünglich für das Restaurant im New Yorker Seagram Building entstanden sind, die aber ins Museum anstatt in den Wolkenkratzer kamen. Der Maler begriff das Ego des Künstlers als Stolperstein auf dem Weg zu wahrer Kunst und formulierte einmal, dass er sein "Nicht-Selbst" zum Ausdruck bringe. Der letzte Raum der Schau zeigt schließlich die atmosphärischen Bilder, für die Rothko berühmt wurde.

Kunsthistorisches Museum, ab Di (bis 30.6.)

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