Kunst Vernissage

Maler als Expressionist, Migrant, Europäer

Lexikon, FALTER 14/19 vom 03.04.2019

Wie er seinen Charakterkopf malte, fasziniert bis heute: Das Leopold Museum feiert Oskar Kokoschka mit einer großen Ausstellung, die Arbeiten aus sämtlichen Phasen des Expressionisten umfasst. Nachdem er sich den Kopf rasiert hatte, galt der 1886 geborene Maler als "Oberwildling", der immer wieder für Kunstskandale sorgte. Prägende Einflüsse waren die Mitarbeit bei der Wiener Werkstätte sowie jene Jahre in Berlin, wo er ab 1910 in der Kunstzeitschrift Der Sturm Federzeichnungen veröffentlichte. Seine Beziehung zur Komponistenwitwe Alma Mahler bescherte Kokoschka eine künstlerische Blütezeit und viel Herzschmerz. Die jetzige Schau enthält unter anderem das Doppelbildnis mit Alma von 1912/13, eine Leihgabe aus dem Folkwang Museum. Nach der Trennung zog Kokoschka freiwillig in den Ersten Weltkrieg. An der Front wurde er schwer verletzt; als er sich wieder erholt hatte, folgten ausgedehnte Reisen in den Mittelmeerraum.

Zu den 250 Ausstellungsstücken zählt auch Kokoschkas "Selbstbildnis als 'entarteter Künstler'", das der Künstler 1937 im Prager Exil geschaffen hat. Die Nazis diffamierten seine Kunst, konfiszierten und zerstörten Werke. Während des Zweiten Weltkriegs hielt sich der Wiener Maler in London auf. In der britischen Metropole entstanden die Werke "Das rote Ei" und "Anschluss -Alice in Wonderland", die beide gezeigt werden. Kokoschka wich nie von der gegenständlichen Malerei ab, Porträts und (Stadt-)Landschaften bestimmen sein Werk. Die Schau möchte nicht nur den expressionistischen Maler, sondern mit Grafiken und selten gezeigten Dokumenten auch den kämpferischen Humanisten vermitteln. Ein Ausstellungskapitel widmet sich Kokoschkas Frauenbild, das sich von der Femme fatale zur Mutter als Friedenstifterin wandelte.

Leopold Museum, Fr 19.00 (bis 8.7.)

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