Film Neu im Kino

Pfleg mich, Barbie! Zeitreise als animierte Therapie

Drehli Robnik
Lexikon, FALTER 14/19 vom 03.04.2019

Roger Rabbit", "Forrest Gump", "Cast Away": Robert Zemeckis hat in den 1980ern und 1990ern einige Filme mit ähnlichem Großschema gedreht: Historyland aus US-Konsumkultur-Relikten wird authentisiert durch einen Narren im Zentrum, der gerade kraft seiner Ohnmacht (relativ zum Ameri-Can-Do-Ethos) zum All-Beweger avanciert. Basierten die Filme im Grunde stets auf einer True Story, nämlich der Saga vom Abstieg des weißen Normsubjekts, so erzählt "Willkommen in Marwen" nun von vom realen Fall und Leid des US-Künstlers Mark Hogancamp (Steve Carell).

Traumatisiert von einem queerophoben Hassverbrechen, rekonfiguriert er sein defektes Ich im Medium einer in Belgien 1944 angesiedelten Modellund Puppenwelt. Fließend wechselt der Film zwischen Marks von Frauen betreutem Angst-Alltag und einer Motion-Capture-animierten Traumwelt, in der er als Held kesse Kriegerinnen gegen Nazis anführt. Die Actiongroteske ist flott; das Vollquatschen von zum Zuhören verurteilten Frauen/Barbies will Liebesplot sein. Dass Zemeckis sich im Bild des arglosen, hochkreativen Worldbuilders selbst allegorisiert ("Back to the Future"-Zitate), verstärkt noch die Anmutung narzisstischer Geschlossenheit.

Bereits im Kino (OF im Artis)

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