Ohren auf Hector Berlioz

Fantastisches zum 150. Todestag von Hector Berlioz

Miriam Damev
Feuilleton, FALTER 15/19 vom 10.04.2019

Wenn die Totenglocken zu läuten beginnen, ist das Unglück nicht weit. Hector Berlioz' "Symphonie Fantastique" (Harmonia Mundi), insbesondere deren 5. Satz, der "Traum vom Hexensabbat", ist ein beliebtes Stück, wenn es darum geht, Gruselstimmung aufkommen zu lassen. Man erinnere sich etwa an Stanley Kubricks Horrorthriller "The Shining". Das funktioniert deshalb so gut, weil Berlioz sein imposantes Stimmungsgemälde genial instrumentierte.

Umso kühner ist Jean-François Heissers und Marie-Josèphe Judes Unterfangen, das brillant orchestrierte Werk in der Version für zwei Klaviere zu spielen. Leider ist das Experiment nicht ganz geglückt, denn vier Hände können kein Orchester ersetzen, zumal Berlioz die Klangfarben der Instrumente ganz bewusst einsetzte. Eine interessante Hörerfahrung ist es allemal.

Gleich zwei Mal liegt Berlioz' Liederzyklus "Les Nuits d'été" auf CD vor. François-Xavier Roth und das Ensemble Les Siècles musizieren die Sommernächte mit Stéphane Degout, der den sechs Klageliedern mit seinem geschmeidigen Bariton eine melancholische Stimmung verleiht. Als Kontrastprogramm gibt es auf dem Album "Harold en Italie -Les Nuits d'été"(Harmonia Mundi) Berlioz' große sinfonische Dichtung mit Solobratsche, die der Komponist ursprünglich für Niccolò Paganini geschrieben hatte. Paganini verschmähte das Stück ("zu viele Pausen"), das hier mit der großartigen Tabea Zimmermann erklingt.

"Sirènes", ebenfalls bei Harmonia Mundi erschienen, zelebriert das Kunstlied und umfasst neben Berlioz Vokales von Franz Liszt sowie Wagners "Wesendonck-Lieder". Wie unterschiedlich die "Nuits d'été" in der originalen Fassung für Singstimme und Klavier wirken, lässt sich bei Stéphanie D'Oustrac und Pascal Jourdan nachhören: Die Mezzosopranistin und ihr Pianist malen hier intime, berührende Stimmungsbilder von der verlorenen Liebe.

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