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"Mit Wolf gibt es keine Message-Control"


Der langjährige ORF-Journalist Hugo Portisch, 92, hat schon viele Regierungen erlebt. Was sagt er zu den Angriffen der FPÖ gegen "ZiB 2"-Anchorman Armin Wolf vergangene Woche?

Falter: Die FPÖ attackiert Armin Wolf. Haben Sie in Ihrer Zeit beim ORF Vergleichbares erlebt, Herr Portisch?

Hugo Portisch: Nein. Seit unserem Rundfunkvolksbegehren im Jahr 1964, mit dem wir die Proporzherrschaft über den Rundfunk beendet haben, kam es zu keinen Interventionen dieser Art im Rundfunk mehr.

Und vor dem Volksbegehren, gab es damals solche persönlichen Angriffe?

Portisch: Nein. Der Rundfunk wurde von den beiden Großparteien völlig beherrscht und alles von den Parteisekretären gelenkt. Man brauchte nicht zu intervenieren und niemanden zu attackieren.

Beunruhigen Sie die Attacken?

Portisch: Ja. Sie verstoßen gegen die Meinungsfreiheit und auch gegen das Rundfunkgesetz, das die Unabhängigkeit des Rundfunks und der im Rundfunk tätigen Journalisten garantiert.

Warum ist Wolf eigentlich ein solches Feindbild für die Rechtspopulisten?

Portisch: Das ist ganz logisch. Ein Journalist, der die Funktionäre der Koalitionsparteien korrekt, aber hart befragt, ist ihnen sehr unangenehm. Sie müssen ihm Rede und Antwort stehen, und das wollen sie nicht. Mit einem Armin Wolf gibt es keine Message-Control.

Es scheint kalkulierte Wahlkampfprovokation zu sein, da die FPÖ ja auch gegen die GIS-Gebühren ist.

Portisch: Ich glaube, es ist nicht so sehr Wahlkampf als der Versuch, einen für sie unangenehm fragenden Journalisten loszuwerden.

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