Kurz-Kanzler Kurz

Wie kam es zum historischen Misstrauensantrag gegen die Regierung? Am Wahltag hat Kurz’ Version der Geschichte die besten Chancen, belohnt zu werden. Weil er sie am besten erzählt

Barbara Tóth, Nina Horaczek
POLITIK, FALTER 22/19 vom 28.05.2019

Foto: Heribert Corn

Kein Raunen, kein Applaus. Zum ersten Mal in der Geschichte der Republik wird eine Regierung vom Parlament abgewählt. Und keiner macht einen Mucks. Gespenstisch lautlos ging der Misstrauensantrag gegen Kanzler Sebastian Kurz und seine Bundesregierung vergangenen Montag über die Bühne. Nur ein paar Sessel im Nationalratsplenum ruckelten kurz, als sich um 16 Uhr und 14 Minuten die Abgeordneten von SPÖ, FPÖ und der Liste Jetzt erhoben, zum Zeichen ihrer Zustimmung.

Richtig laut und fetzig wurde es erst zwei Stunden später. Da traf der gestürzte Kanzler in der ÖVP-Parteiakademie in Meidling ein. Übers Wochenende hatten die Türkisen eine bombastische Wahlkampfparty für ihren Parteichef aus dem Boden gestampft. Mehr als tausend Kurz-Anhänger versammelten sich im sogenannten Tivolischlössl in Meidling, trotzten mit türkisen Regenschirmen in der Hand dem Wetter und hießen ihren abgewählten Kanzler unter Jubelschreien willkommen.

Die Blasmusik spielte „Steh auf für Sebastian!“, die türkisen Fans skandierten „Kanzler Kurz! Kanzler Kurz“ in den Regen. Der Wahlkampf hat begonnen, und der Erste, der die perfekten Bilder für die Abendnachrichten lieferte für seine 82.400 Instagram-Bewunderer, seine 800.000 Facebook-Follower und die 340.000 Menschen, die ihm auf dem Kurznachrichtendienst Twitter folgen, war Nicht-mehr-Kanzler Kurz. Denn der ÖVP-Chef muss zwar sein Büro im Bundeskanzleramt räumen, es könnte aber bloß eine Trennung auf Zeit werden. Das hängt vor allem davon ab, wie den Österreichern die Ereignisse des 27. Mai in Erinnerung bleiben werden.

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