Enthusiasmus Kolumne der Superlative

Der beste Konzertsound der Welt der Woche


Lukas Matzinger

Feuilleton, FALTER 24/19 vom 12.06.2019

Sie kennen das: Wer in Wien von einem Konzert erzählt, beschwert sich über den Sound. Egal, wer gespielt hat und ob gerechtfertigt oder nicht. Egal ob Gasometer, Arena oder Stadthalle: Wiener Säle haben den Ruf, schlecht zu klingen. Sagen alle.

Jetzt spielte aber am Donnerstag ein Mann namens Eric Clapton in der großen Stadthalle. Wer ihn kennt, weiß Bescheid: hoher englischer Rockadel mit einer annähernd perfekten Band, aber verhältnismäßig wenig Schweiß und Blut. 200 Euro für 15 Lieder, unter drei Solos ist es kein Blues. Und wenn er "Tears in Heaven" nicht mehr spielen will, soll er es nicht mehr spielen, aber bitte nicht in so einem Reggae-Geschunkel verschenken.

Der heimliche Star des Abends war ohnehin ein anderer. Er hieß Robert, trug kurze Hosen, kommt auch aus England und ist von Beruf Tontechniker. Der Sound kam phänomenal aus einem Mischpult, der Abend wurde zum Hochamt für Audiophile.

Egal ob beim saftigen Bluesrock oder bei den fünf Unplugged-Liedern. Egal ob ganz vorne oder im letzten Eck: Der Sound war rein, noch am Klo hörte man die Texte deutlicher als an anderen Abenden in der Halle. So ungewohnt steril klang es, dass man auf die Bühne klettern und die acht Bandmitglieder kurz angreifen wollte, um zu fühlen, ob sie echt alle echt sind.

Die Fender-Stromgitarre vom Sir schneidet wie das Höllenschwert, der Keyboarder Chris Stainton verantwortet die glasklaren Engelsklänge. Und das alles ganz ohne Soundcheck, wie der wortkarge Robert verrät. Dass Clapton nicht die dickste Stimme im Bluesbusiness hat, wird im rauschfreien Raum auch ohrenscheinlich.

Tontechniker dieser Welt: Haltet euch an Robert! Es sind die selben Lautsprecher, so könnte es immer klingen. Und wie fand der Meister selbst sein Werk?"Ganz gut."

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