Landrand Ruralismus

Freiheit, Wind und Stopp


Gerlinde Pölsler

Landleben, FALTER 26/19 vom 26.06.2019

Kaum dass ich am Freitag aus der Arbeit kam, sattelte ich mein Pferd -ich dachte an mein Motorrad oft als an ein Pferd - und brach auf." Wunderschön hat der bekannte Neurologe Oliver Sacks in seiner Autobiografie die Faszination des "Maschin"-Fahrens beschrieben. Wie er jeden Sonntag mit seiner Clique losstartete: "Bei diesen Fahrten am frühen Morgen ging es darum, sich intensiv lebendig zu fühlen, den Wind im Gesicht und am Körper zu spüren." Die Erinnerung daran war für den damals schon 81-Jährigen von "fast unerträglicher Süße".

Heute hört man von Bikern vor allem, wenn es wieder zu einem tödlichen Unfall kam. Den letzten traf es zu Fronleichnam, sechs starben über Pfingsten, 99 im Vorjahr. Der Bike-Bestand hat sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt; es gibt also viel mehr Fahrer, denen es oft an Routine fehlt. Aber auch die Straßen sind so viel voller geworden: Macht ein Autofahrer einen Fehler, zieht immer der Biker den Kürzeren. Und so ist schon jeder vierte Verkehrstote ein Motorradfahrer.

Sacks war übrigens überzeugt, er werde sein Leben bei einem Bike-Unfall lassen. Tatsächlich fuhr er tausende Kilometer und starb mit 82 im Bett.

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