Bauernopfer

Das Glyphosatverbot sei ein Schlag gegen die Bauern, heißt es. Dabei sind sie es, die durch das Unkrautgift am meisten gefährdet sind


GERLINDE PöLSLER

LANDLEBEN, FALTER 28/19 vom 09.07.2019

Foto: JEAN-FRANCOIS MONIER / AFP / picturedesk.com

Wenn im Fernsehen ein Bericht über Glyphosat kommt, schaltet Manfred Eisl um. „Sonst muss ich mich so viel ärgern.“ Eisl hat öffentlich widersprochen, als in der Landwirtschaftskammer-Zeitung BauernJournal stand, Glyphosat sei so ungiftig wie Backpulver oder Salz. „Meine Frau hat gesagt, sie bäckt dem Autor einen Kuchen mit Glyphosat: Sie ist neugierig, ob er den dann isst.“ Der Salzburger ist Biobauer, so wie inzwischen jeder fünfte österreichische Landwirt, und hofft, dass das vergangene Woche im Nationalrat beschlossene Glyphosat-Verbot hält. „Weil es ein Gift ist. Ich glaube nicht, dass es den Regenwürmern und Insekten taugt, wenn man ihnen Glyphosat drüberspritzt.“

Ganz anders Landwirtschaftskammer und ÖVP-Bauernbund. Die hoffen, dass das mit den Stimmen aller Parteien außer der ÖVP beschlossene Totalverbot EU-rechtswidrig ist. Im Verbot zeige sich eine „Allianz gegen die Bauern“, so der Abgeordnete und Bauernbundpräsident Georg Strasser. Nur die ÖVP stehe zu den Landwirten.

Ist das so? Kaum ein Thema ist das Gesundheitsrisiko der Bäuerinnen und Bauern, die Jahr um Jahr mit der Substanz arbeiten. Das ist erstaunlich, endet doch in den USA ein Prozess nach dem anderen mit spektakulären Schadenersatz- und Strafzahlungen für den Bayer-Konzern, der den US-Glyphosathersteller Monsanto 2018 übernommen hat: Im Mai wurden dem Ehepaar Alberta und Alva Pilliod, beide haben Lymphdrüsenkrebs, umgerechnet 1,8 Milliarden Euro zugesprochen. Auch beim ehemaligen Hausmeister Dewayne Johnson und beim Privatgärtner Edwin Hardeman entschieden die Gerichte: Dass sie Krebs haben, daran sei das jahrelange Hantieren mit Glyphosat zumindest mitschuld. Bei Weitem nicht so bekannt ist ein europäischer Präzedenzfall: Ende 2018 stufte ein Luxemburger Gericht glyphosathaltige Herbizide als Risikofaktor ein und anerkannte das Krebsleiden des Klägers, eines Landschaftsgärtners, als Berufskrankheit. Und ständig erscheinen neue Studien, die Glyphosat nicht nur als Risikofaktor für Krebs, sondern auch als Auslöser für Antibiotikaresistenzen sehen und böse Überraschungen bei späteren Generationen entdeckt haben wollen.

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