Der Uber-Fall

Uber hebt die Taxibranche aus den Angeln. Der Gesetzgeber hält dagegen. Wer gewinnt?


EVA KONZETT

POLITIK, FALTER 28/19 vom 09.07.2019

Foto: Christopher Mavrič

Man kann Hartmut Fensch schon sehen, obwohl er noch einen halben Kilometer entfernt ist. Auf dem Bildschirm frisst sich der Pkw auf Google Maps wie Pacman ruckartig an Fenschs Konterfei rechts vorbei dem eigenen Standort entgegen. Auch dass die meisten der Passagiere bisher mit Fensch zufrieden waren, lässt sich mit einem Klick herausfinden. Sein Durchschnittsscore liegt bei 4,71 Sternen. Und dann die Kommentare: „Nur Lob für dich“, „Du bist der beste Fischkopp“. 20 Minuten wird man mit dem Mann verbringen, von dem man in wenigen Sekunden mehr erfahren kann, als man von vielen seiner Nachbarn weiß. Eine Fahrt von der Haidingerasse am Donaukanal bis zum Schwarzenbergplatz. „Ankunft in drei Minuten“, poppt die SMS auf. Es ist 17.53 Uhr, als Hartmut Fensch an diesem Abend die Nachtschicht beginnt. Worauf er hofft: Touristen für Flughafenfahrten und Escort-Damen. Die buchen nämlich oft den UberBlack-Tarif. Und der bringt Fensch das Geld. „Ich fahre ja nicht umsonst diesen schönen Schlitten, 70.000 Euro kostet der!“. Wenn Fensch über seinen schwarzen Mercedes E-Klasse spricht, kommt der Hamburger in seiner Stimme durch. Und der Stolz. Für die erste Strecke am frühen Abend aber wird er nur den UberX-Tarif verrechnen können, die Uber-Billigschiene, wenn man so will. 95 Prozent seiner Fahrten fallen in diese Kategorie.

Es ist die Kategorie, die Uber im kommenden Jahr abschaffen will. Dann, wenn das neue Gesetz in Kraft treten soll.

Jenes Gesetz, von dem die Taxler sagen, dass es sie retten wird. Über das Uber meint, dass sich die Menschen dann nicht mehr „verlässlich, bezahlbar und sicher fortbewegen können“. Hartmut Fensch sagt dazu nur: „Man wird an Uber nicht vorbeikommen.“ Er sagt es in ruhigem Ton. Und ohne Zweifel.

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