BUNDESLÄNDER

"Cui Bono?" der Vitamins of Society: Alle Wege führen nach St. Ulrich im Greith

Martin Pesl
Lexikon, FALTER 31/19 vom 31.07.2019

Zwei mickrige Baustrahler auf der abschüssigen Wiese einer Buschenschank, eine Stunde Fußweg vom Bahnhof entfernt. Schauspielerinnen und Musiker, die gegen Hühnergekrähe und Kirchenglocken anspielen müssen. Ein weinseliges Publikum, das pöbelnd reinruft wie zu Shakespeares Zeiten. Man kann sich auch weniger widrige Umstände aussuchen, um Theater aufzuführen. Aber der Autor Johannes Schrettle und der schauspielende Regisseur Johann Wolfgang Lampl wissen, das im besten Sinne Trashigste daraus zu machen. Jedes Jahr zeigen sie hier am großelterlichen Grund eine Uraufführung.

Die heurige heißt "Cui Bono? - Karriere mit Galeere" und verhandelt die Komplexitäten und Untiefen der Arbeitswelt - im Noricum der Römerzeit und heute. Eine mittelmäßige Regisseurin (Sissy Noé) dreht als Sozialprojekt mit südsteirischen Arbeitslosen einen Film über einen vermeintlichen Sklavinnenaufstand. Das ist vergnüglich, pointiert und vielschichtig: Profis dürfen nach Lust und Laune "schlecht" spielen und trotzdem zeigen, was sie draufhaben. Das Faszinierende bei allem teils richtig doofen Spaß ist, dass sich auf der Filmim-Stück-Ebene trotzdem eine spannende Geschichte entwickelt.

Harry Lampl brilliert als Schwarzhackler mit lakonischer Ungerührtheit, als wäre er ein unbehauenes Naturtalent und nicht längst ein etablierter Fernsehschauspieler. Ohrwurmtauliche Songs durchsetzen den Abend; einer davon übersetzt das titelgebende "Cui Bono?" adäquat ins Steirische: "Für wos?"

St. Ulrich im Greith, Buschenschank Mathans, Sa, Mo, Mi, Do 19.30, So 17.00

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