Yes, ve-gan?

Das Geschäft mit pflanzlichen Fleischersatzprodukten boomt. Das hat viele Gründe, aber hat wenig mit Veganern zu tun


EVA KONZETT

POLITIK, FALTER 33/19 vom 13.08.2019

Der Erfolg des Fleischersatzes hängt davon ab, wie gut er Fleisch kopiert. So wie dieses mit Rote-Rüben-Saft gefärbte Erbensprotein, das einem Hamburger-Patty nahe kommt (Foto: Christopher Mavrič)

Die globale Fleischindustrie setzt mehr als eine Billion Dollar im Jahr um, der durchschnittliche Österreicher verzehrt jährlich mehr als 60 Kilogramm Fleisch, doch der Veganer Charly Schillinger sitzt im Hinterzimmer seiner veganen Burgerbude Swing Kitchen in Wien-Neubau, lässt die Hosenträger schnallen und sagt: „Das Geschäft läuft blendend. Es könnte nicht besser sein.“ Neben ihm dröhnt eine Kühlschrankwand, auf der anderen Seite drängt sich ein improvisiertes Büro in die Ecke, Ordner, Schreibwaren, Ablagefächer aus Plastik. Ein Handtresor. Als er und seine Frau Irene vorn im Lokal 2015 die ersten veganen Burger mit Soja-Pattys ausgaben, werkelten hier im Hinterhof noch die Bauarbeiter, war der Laden erst halb fertig. „Die ersten Rechnungen und Gehälter haben wir aus dem Cashflow bezahlt“, erinnert sich Irene Schillinger. Das heißt mehr oder weniger aus den Tageseinnahmen. Hätten die Schillingers mit der Eröffnung noch länger gewartet, wäre ihnen das Geld ausgegangen.

Vier Jahre später führt das Ehepaar alleine in Wien drei Swing-Kitchen-Filialen, zwei Franchiselizenzen hat es in der Hauptstadt ebenso vergeben. Dazu kommt ein Standort in Graz und zwei in Berlin und erst Mitte Juni hat die erste Schweizer Swing Kitchen in Bern eröffnet. Weitere vegane Burgerbuden in Wien sind geplant.

Die Swing Kitchen, ein klassisches Burgerrestaurant in amerikanischer Aufmachung, aber ganz ohne Fleisch und andere tierische Inhalte, überall in der gleichen Industrieästhetik gehalten, mit Stühlen mit langen Beinen und Glühbirnen ohne Lampenschirm, expandiert. Dass die Schillingers immer noch im provisorischen Büro werkeln, ist nicht mehr den Geldsorgen geschuldet. Für standesgerechte Räumlichkeiten blieb bei dem Tempo einfach keine Zeit.

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