Der Outsider mit dem Silberblick

Die ebenso tolle wie überfällige Schau zum Werk von Richard Gerstl im Leopold Museum zeigt auch Vor-und Nachläufer

Nicole Scheyerer
Feuilleton, FALTER 40/19 vom 02.10.2019

Im Jahr 1908 flatterte ein ungewöhnlicher Brief ins Unterrichtsministerium: Ein gewisser Richard Gerstl beschwerte sich darin, dass keines seiner Bilder bei der Akademieausstellung zu sehen war. Weil er dadurch keine Chance auf den "Specialschulpreis" gehabt habe, erwarte er nun eine Entschädigung.

Gerstl (1883-1908) gilt als Außenseiter der Kunstszene um 1900, aber an Selbstbewusstsein hat es ihm offensichtlich nicht gefehlt. Sein handschriftlicher Brief wird nun in der tollen Ausstellung im Leopold Museum gezeigt. Dreimal hat der Künstler darin die zitierte Meinung seines Professors unterstrichen, dieser halte ihn für "vollkommen talentlos".

Wer das im selben Jahr entstandene Gruppenporträt "Familie Schönberg" betrachtet, kann sich die Entrüstung von Gerstls Lehrer vorstellen: Die Personen haben verschmierte Gesichter, und auch ihre Körper sind dick mit Farbe verkleistert. Das grob gepinselte Rosa beißt sich mit dem Grüngelb des Hintergrunds. Kleckse, Striche, Auflösung: Die

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  817 Wörter       4 Minuten

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