„Wos gschiacht jetzt leicht?“

2024 wird Bad Ischl Kulturhauptstadt Europas. Droht jetzt auch hier der Massentourismus?

Elisa Tomaselli
LANDLEBEN, FALTER 47/19 vom 19.11.2019

Foto: Wolfgang Stadler

Dirndln sind heute zwar keine zu sehen. Zu frisch ist es an diesem Novembervormittag in der Bad Ischler Innenstadt. Traditionelle Bittner-Hüte mit grüner Wollkordel werden hier jedoch sommers wie winters getragen. Ein Duft von frisch gebackenen Mehlspeisen liegt in der Luft. An der Ecke Auböckplatz und Kaiser-Franz-Josef-Straße reihen sich die Stände. Anstecknadeln. Honig. Gemüse. Fisch. Hirschwürste und frisch gemachte Schaumrollen: Diese Produkte und der Flair des Ischler Wochenmarktes ziehen jeden Freitag Einheimische und Besucher an. „Griaß enk!“, rufen sich Bekannte zu. Es wäre ein Freitag wie jeder andere, wäre da nicht der Dienstag gewesen.

„Jo, wos g’schiacht jetzt leicht?“, fragen sich zwei Männer, einer im schwarzen Anorak, der andere in grauer Trachtenmontur. Sie lehnen sich an den Stand der Würstl-Judy, nippen an ihrem Gösser. Bad Ischl dürfe nicht Hallstatt werden, da sind sich beide einig. Ein paar Meter entfernt gibt ein älteres Ehepaar ein Honigglas zurück, kauft sich zwei neue. „Ach, des is supa“, sagen sie. Diese Unsicherheit auf der einen und Euphorie auf der anderen Seite der Ischler löste das Bundeskanzleramt im 250 Kilometer entfernten Wien aus.

Dort verkündete die Juryvorsitzende Cristina Farinha am 12. November jene Entscheidung, die das Salzkammergut die nächsten Jahre beschäftigen wird. Und die alle Beteiligten überraschte. Kulturhauptstadt 2024: Mit diesem Titel darf sich die oberösterreichische Kurstadt Bad Ischl, gemeinsam mit 20 weiteren Gemeinden, darunter Hallstatt und Ebensee, schmücken. Die Region setzte sich mit dem Bewerbungsthema Salz.Wasser gegen ihre Kontrahenten Dornbirn plus und St. Pölten durch.

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