Prost! Lexikon der Getränke. Diese Woche: Saftgarten-Tee

Wenn vom Geschmack nur ein Versprechen übrig bleibt

STADTLEBEN, FALTER 06/20 vom 05.02.2020

Die Getränkemode geht ja nun schon seit geraumer Zeit in Richtung möglichst unauffällig bis ätherisch. Soll heißen, viele der neu auf dem Markt erscheinenden Limonaden, Eistees und Co beinhalten nur noch einen homöopathischen Auszug, eine Erinnerung an Geschmack. Sie sind gerne bio und regional, selbstverständlich vegan, am besten auch noch gesund und frei von allem Bösen (Süßungsmittel, künstliche Aromen, Koffein, Konservierungsstoffe etc.), definitiv in der Glasflasche und oftmals mit schlichten Etiketten im Understatement-Design. Dagegen wirken die geruchsintensiven, picksüßen Energydrinks aus der Dose wie Dinosaurier im Getränkeregal.

Aus der schier überwältigenden Auswahl an Erfrischungsgetränken haben wir diesmal einen Eistee der Firma Saftgarten aus dem Salzkammergut herausgepickt. Wahrscheinlich, weil das sanfte Altrosa des "Teegetränks aus Früchte-und Kräutertee mit Granatapfel-Minz-Geschmack" irgendwie an rosa Grapefruits erinnert und somit schon einmal nicht ganz verkehrt sein kann.

Der Rest entspricht dem Getränkezeitgeist: vegan, natürlich frei von allem Bösen und Glasflasche - bloß bei der Schlichtheit des Etikettes wurde etwas zu dick aufgetragen.

Geschmacklich erfüllt das Teegetränk auch den aktuellen Standard: sehr zurückhaltend, ein Hauch von säuerlich und herb und eine leise Ahnung von Minze. Der auf der Banderole versprochene Granatapfel -geschmacklich inexistent. Und der Blick auf die Inhaltsstoffeliste bestätigt den Verdacht: Der Eistee mit Granatapfel-Minz-Geschmack hat noch nie einen Granatapfel gesehen. Nur natürliches Aroma. Schade eigentlich. Aber sei's drum: Die Neigungsgruppe Geschmackswasser wird begeistert sein.

Rezensierte Getränke wurden der Redaktion fallweise kostenlos zur Verfügung gestellt

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