Theater Kritiken

Nehmt keine Drogen, schaut euch das an

MARTIN PESL
Lexikon, FALTER 07/20 vom 12.02.2020

Wie macht man einen Theaterabend aus dem autobiografischen Buchfragment eines LSD-getriebenen Nazi-Sohns und Fast-RAF-Angehörigen? Die Regisseurin Kathrin Herm und der Dramaturg Florian Hirsch haben sich gründlich an Bernward Vespers Radikaltext "Die Reise" abgearbeitet. Ihre Ernsthaftigkeit geht tatsächlich irgendwie auf: mit drei sehr unterschiedlichen, aber interessanten Schauspielerpersönlichkeiten (Aleksandra Corovic, Aaron Friesz, Robert Huschenbett) und einem in seine Einzelteile zerfallenden Haus als famosem Bühnenbild. Herm versucht nicht, 700 Seiten nachzuerzählen, im Gegenteil: Manche Passagen lässt sie mehrmals wiederholen, was Reflexion und fast schon Empathie mit dem ungreifbaren Autor und Protagonisten ermöglicht. "Die Reise. Ein Trip" ist lang, aber auch ohne Drogenkonsum durchaus gut zu ertragen.

Werk X Petersplatz, Fr, Sa 20.00

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