Geboren in Tirol, Tod im Libanon
Tierschützer filmen qualvolle Schlachtungen im Libanon. Die Ohrmarken zeigen: Die Rinder stammen aus Österreich. Achtung: Dieser Artikel enthält verstörende Bilder und Videos
Verladung von Rindern am Hafen von Cartagena, Spanien. „Von den spanischen Häfen Tarragona und Cartagena aus verlassen wöchtenlich Schiffe mit Rindern die EU“, sagt Tobias Giesinger vom Verein gegen Tierfabriken. Diesen Weg hat mit höchster Wahrscheinlichkeit auch das oberösterreichische Rind genommen
(Foto: Animal Welfare Foundation)
Eine Halle, Straßen- und Maschinenlärm vermischen sich mit den Schreien von Männern. Ein Jungrind wird auf dem Boden festgehalten, es rudert mit den Beinen, will aufstehen. Doch es wird über den Boden gezogen, durch das Blut seiner Artgenossen, gerade bildet sich eine Lache frischen Bluts. Es ist nicht betäubt, als ein Mann ihm die Kehle durchschneidet. Nicht mit einem Schnitt, sondern mit zwei. „Wohl, weil das Messer zu kurz ist“, sagt Alexander Rabitsch, Kärntner Tierarzt, Sachverständiger und Tiertransport-Experte, der das Video für den Falter analysiert. Während das Blut heraussprudelt, sieht und hört man, wie das Rind weiter atmet. Zwei Minuten lang, dann endet das Video. Es dauere bis zu zehn Minuten, bis ein Rind nach dem Kehlschnitt das Bewusstsein verliere, sagt Rabitsch. Wird in Österreich geschächtet, so muss das Tier sofort nach dem Kehlschnitt betäubt werden. „In Ländern wie dem Libanon, der Türkei, im Maghreb jedoch ist dieses betäubungslose Schlachten, oft mit mehreren Schnitten, die übliche Methode.“ Die Tierschützer von Animals International, die die Szenen filmen, fotografieren auch die Ohrmarken des Rindes. Das Kürzel beginnt mit „AT“. Wie sich herausstellen wird, stammt das Tier aus Eggelsberg in Oberösterreich. Ein zweites Rind, das an diesem 13. August 2019 dort geschlachtet wird, kam in Vorarlberg zur Welt, ein drittes in Tirol. Keines ist älter als zehn Monate.