Geboren in Tirol, Tod im Libanon

Tierschützer filmen qualvolle Schlachtungen im Libanon. Die Ohrmarken zeigen: Die Rinder stammen aus Österreich. Achtung: Dieser Artikel enthält verstörende Bilder und Videos

Gerlinde Pölsler
POLITIK, 18.02.2020

Verladung von Rindern am Hafen von Cartagena, Spanien. „Von den spanischen Häfen Tarragona und Cartagena aus verlassen wöchtenlich Schiffe mit Rindern die EU“, sagt Tobias Giesinger vom Verein gegen Tierfabriken. Diesen Weg hat mit höchster Wahrscheinlichkeit auch das oberösterreichische Rind genommen
(Foto: Animal Welfare Foundation)

Eine Halle, Straßen- und Maschinenlärm vermischen sich mit den Schreien von Männern. Ein Jungrind wird auf dem Boden festgehalten, es rudert mit den Beinen, will aufstehen. Doch es wird über den Boden gezogen, durch das Blut seiner Artgenossen, gerade bildet sich eine Lache frischen Bluts. Es ist nicht betäubt, als ein Mann ihm die Kehle durchschneidet. Nicht mit einem Schnitt, sondern mit zwei. „Wohl, weil das Messer zu kurz ist“, sagt Alexander Rabitsch, Kärntner Tierarzt, Sachverständiger und Tiertransport-Experte, der das Video für den Falter analysiert. Während das Blut heraussprudelt, sieht und hört man, wie das Rind weiter atmet. Zwei Minuten lang, dann endet das Video. Es dauere bis zu zehn Minuten, bis ein Rind nach dem Kehlschnitt das Bewusstsein verliere, sagt Rabitsch. Wird in Österreich geschächtet, so muss das Tier sofort nach dem Kehlschnitt betäubt werden. „In Ländern wie dem Libanon, der Türkei, im Maghreb jedoch ist dieses betäubungslose Schlachten, oft mit mehreren Schnitten, die übliche Methode.“ Die Tierschützer von Animals International, die die Szenen filmen, fotografieren auch die Ohrmarken des Rindes. Das Kürzel beginnt mit „AT“. Wie sich herausstellen wird, stammt das Tier aus Eggelsberg in Oberösterreich. Ein zweites Rind, das an diesem 13. August 2019 dort geschlachtet wird, kam in Vorarlberg zur Welt, ein drittes in Tirol. Keines ist älter als zehn Monate.

Erstmals können Tierschützer den Weg von Rindern von österreichischen Höfen bis zur Schlachtung im Nahen Osten nachzeichnen. In ihrem kurzen Leben wurden die Jungtiere 7500 Kilometer herumgekarrt, nur um am Ende einen grausamen, langsamen Tod zu sterben. Aber wie kommen sie überhaupt dorthin? Und warum?

Das Eggelsberger Rind wird am 2. Dezember 2018 geboren. Gerade einmal 15 Tage ist es alt, als es seine erste große Reise antreten muss. Es wird zu einer Kälbersammelstelle in Bergheim bei Salzburg gebracht und verlässt am 17. Dezember 2018 Österreich. Genauso wie jene zwei „Kollegen“, auf die es in dem libanesischen Schlachthof wieder treffen wird.

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