Tirol, Traum und Alp

Tirols Ruf als Skidestination ist ruiniert, es gilt als raffgieriger Corona-Hub. Lernt es daraus?

Johann Skocek
LANDLEBEN, FALTER 13/20 vom 24.03.2020

Foto: shutterstock

Tirol ist geschlossen. Am 18. März stellte Landeshauptmann Günther Platter das Bundesland unter Quarantäne. Am Abend hatte er mit allen Parteien im Landtag konferiert, ohne sein Vorhaben zu erwähnen. Stunden später verfügte er den Lockdown. Tirols Versagens­protokoll ist bekannt, aber unvollständig. Der erste Corona-Fall in Tirol wurde bereits Ende Jänner bekannt. Eine Deutsche hatte Tage zuvor die Dortmunder Hütte im Kühtai besucht. Landessanitätsdirektor Franz Katzgraber beschwichtigte: „Sollten sich Krankheitszeichen entwickeln, wird eine Abklärung eingeleitet.“ Keine weiteren Fälle tauchten in Tirol auf, alles gut. Bis am 25. Februar das Innsbrucker Hotel Europa wegen zweier infizierter Italiener ruckzuck geschlossen wurde.

Es ist ein Muster, das sich seither durchzieht im Land Tirol, dem Herzen des alpinen Wintertourismus: Die Schwere des Pro­blems wurde geleugnet; alles sollte nur irgendwie weitergehen wie bisher. So lange, bis die Krise dann noch schlimmer wurde, als sie ohnehin schon gewesen war. Am 5.3. erklärte Island Tirol zum Risikogebiet, nachdem Dutzende Heimkehrer das Virus vom Skiurlaub in Tirol mitgebracht hatten. Katzgraber beschwichtigte. Es sei „unwahrscheinlich“, dass sich die Urlauber in Tirol angesteckt hätten. Der Oppositionspolitiker Markus Sint von der Liste Fritz: „Wird hier mit zweierlei Maß gemessen und auf die Liftlobby Rücksicht genommen? Warum dauerte es eine Woche, bis Ischgl geschlossen wurde?“

Die Antwort kennt inzwischen jeder. Der Hotelier, Liftbetreiber, Wirtschaftsbund-Landesobmann, Liftvereinigungskapo und Nationalrat Franz Hörl gab zu, bei Landeshauptmann Günther Platter erfolgreich für die Verschiebung der Skigebietsschließung interveniert zu haben. Inzwischen wurde auch Hörls Hotel in Gerlos, der Gaspingerhof, wegen infizierter Gäste gesperrt. Tirol verliert die letzten vier Wochen einer guten Wintersaison. Im Fall Ischgl­ ermittelt inzwischen die Staatsanwaltschaft Innsbruck wegen mutmaßlichen Verstoßes gegen das Epidemiegesetz. Anlass waren Berichte deutscher Medien, wonach ein lokaler Tourismusbetrieb einen Corona-Fall nicht den Behörden gemeldet habe.

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