Landrand Ruralismus

Über Verschwinden und Festhalten

Gerlinde Pölsler
LANDLEBEN, FALTER 14/20 vom 01.04.2020

Auch wenn wir die meiste Zeit drinnen sitzen, sind sie derzeit nicht zu überhören: Vögel in Frühlingsstimmung. Amseln, Meisen und Kleiber pfeifen sich eins, auch die ersten Zugvögel sind angekommen. Fetzen Natur für die Ohren, die man dieser Tage besonders gierig aufsaugt.

Und dennoch: Rufe ich mir die Morgengrauen der Jugend ins Gedächtnis, wenn man vom Feiern Richtung Bett wandelte, so ertönte das Geschrei der Vögel von damals viel lauter, schien aus viel mehr Kehlen zu kommen. Es ist wohl nicht nur die Erinnerung, die einer ein Schnippchen schlägt. Laut dem neuen Insektenatlas von Global 2000, Naturschutzbund und Heinrich-Böll-Stiftung ist der Bestand an Insekten seit 1990 um drei Viertel geschrumpft. Schlechte Nachrichten auch für die Vögel, denn: Wo keine Insekten, sterben auch sie. Der Vogelbestand geht dramatisch zurück. Rebhühner und Grauammern, Feldlerchen und Schwalben verschwinden aus unseren Dörfern und Städten. Das schmerzt. Manches, das die Gegenwart noch bietet, wird bald in der Vergangenheit versinken. Vieles können wir aber sehr wohl noch retten. Es braucht die Trauer, damit wir nicht bloß zuschauen, was alles verloren geht.

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