Und wer holt uns nach Corona da wieder raus?

Kochen, putzen, Kinder unterrichten und nebenbei arbeiten: In Woche vier der Corona-Krise finden sich immer mehr Paare im traditionellen Rollenmodell wieder. Die Gefahr, dass sich das auch nach Ende der „Maßnahmen“ hält, ist groß

Barbara Tóth
STADTLEBEN, FALTER 15/20 vom 07.04.2020

So sah die Austria Presse Agentur die „geplagte Hausfrau und Mutter“ im Jahr 1987, als dieses Sujetfoto entstand
(Foto: Robert Jaeger/Apa/picturedesk.com)

Die drei Stunden Homeoffice sind für Johanna Rosenleiter eine ersehnte Pause. „Mein momentanes Leben gleicht einem Albtraum aus den 1950er-Jahren. Mein Mann (er ist Arzt, also jetzt schon ein Held) rettet jeden Tag die Welt und ich, das Weibi, mache zu Hause Schule mit den Kindern. Um nicht vollkommen verrückt zu werden und vor Langeweile zu verblöden, koche ich, was das Zeug hält und putze die Wohnung. Meine drei Stunden tägliches Homeoffice sind dann nur ein schwacher Trost. Ich vermisse alles, was mein Leben normalerweise mit sich bringt. Wenn irgendjemand nach den Osterferien auf die Idee kommt, diesen Zustand auf unbestimmte Zeit zu verlängern, werde ich nicht die Einzige sein, die Amok läuft.“

So wie Johanna Rosenleiter, Mutter zweier Volksschulkinder, Sozialarbeiterin, aus einer kleinen Ortschaft nahe Linz, geht es zu Beginn der Corona-Woche vielen Frauen in Österreich. So schicke englische Begriffe wie „Homeoffice“, „Homeschooling“ und „Social Distancing“ können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die „Maßnahmen“ – wie die Regierung die Schul- und Geschäftsschließungen, Ausgangsbeschränkungen und diversen Verbote jetzt unisono bewusst neutral bezeichnet – emanzipierte Frauen in eine „seltsame, schmerzvolle und unwirkliche“ (Alexander Van der Bellen) Idylle zurückbeamen, die man bis dahin nur aus Dystopien wie Margaret Atwoods Klassiker „The Handmaid’s Tale“ kannte.

Das Bewusstsein wächst gerade erst, dass in Notständen wie der Corona-Krise tradi­tionelle, rechte und damit auch antifeministische Werte und Ideen eine Renaissance erleben. Genauso, wie die gesellschaftspolitische Debatte darüber erst beginnt, wer beim „Wiederhochfahren“ des Landes Prio­rität haben soll.

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