Hinausspaziert! Hinausspaziert!

Der Wiener Wurstelprater verpasst in der Corona-Krise seine stärkste Jahreszeit. Die Zukunft einer großen Sehenswürdigkeit hängt an einem winzigen juristischen Detail

Lukas Matzinger
STADTLEBEN, FALTER 18/20 vom 28.04.2020

Foto: Christopher Mavrič

Eine Bande Flaumträger tritt eine volle Eisteeflasche durch den leeren Prater. Vorbei am Watschenautomaten, an dem sich kein Halbstarker mehr darstellen kann, an 50 glücklosen Geldspielgeräten hinter den Casinotüren und am verlassenen Kabinett der Wachskünstlerin Madame Tussaud.

Weil sie oft hier sind, nennen sich die Teenager Praterkids und das Karussell Tagada unumwunden „Leben“. Ihre haben ohne Fahrgeschäfte an Rasanz verloren, bis die Praterbetriebe wieder aufsperren, verbringen die Spunde ungestörte Stunden in den Gondeln der stillgelegten Speibschleuder Extasy. So großzügig der Wurstelprater an gewöhnlichen Frühlingsabenden Vergnügen verschüttet, so beunruhigend ist dieselbe wundersame Kulisse ohne Menschen. Allein kann einem zwischen Fiberglasfiguren und Ringelspielketten bange werden. Die Clownsfratzen stieren, die Vögel kreisen, in Filmen wäre der nun einsetzende Wind ein zuverlässiges Zeichen, dieser Geisterstadt den Rücken zu kehren. Über Nacht hat sich die Bestimmung des Praters ins Unheilvolle verkehrt.

Genau genommen in der Nacht des 15. März. In gewöhnlichen Jahren hätte an diesem Tag der vielleicht berühmteste Gastgarten des Landes eröffnet. Im vorliegenden Jahr hätte das Schweizerhaus im Prater seine 100. Saison mit einem großen Fest begossen. Und daneben wäre der ganze Wurstelprater aus dem Winterschlaf geschnellt.

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