Der Aufstand der Unsichtbaren

Frauen sorgen sich um andere. Sie können nicht anders – oder doch? Die Care-Revolution fordert mehr Wertschätzung, Zeit und Geld für das Sich-Kümmern

Nicole Scheyerer
FEUILLETON, FALTER 19/20 vom 05.05.2020

Pietà und Persil: Mit ihrer Collage „Geburtenmadonna“ brachte Valie Export 1976 die Ideale von Schmerzensmutter und Waschfrau zusammen (Foto: Sammlung Verbund)

Gestern wurden sie noch übersehen, heute gelten sie als „systemrelevant“: In der Corona-Krise erschallt von den Balkonen viel Applaus für all die Krankenschwestern, Supermarktkassierinnen und Altenpflegerinnen, die sich während der Pandemie einem erhöhten Ansteckungsrisiko aussetzen.

Kein Klatschen ernten indes die Mütter, die dieser Tage noch mehr einkaufen, kochen und putzen als sonst und neben dem Homeoffice ihre Kinder beim Lernen coachen. Im Netz kursiert ein spöttischer Warnruf an die Väter, dass heuer keine Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen mit ihrem Nachwuchs Muttertagsgeschenke basteln werden. In Wirklichkeit mailen umsichtige Pädagoginnen ohnedies schon wieder Kreativtipps, damit das Dankeschön nicht nur aus der Blumenhandlung kommt.

Vor einem halben Jahrhundert hat die Emanzipationsbewegung damit begonnen, für die gerechte Aufteilung und die Honorierung sogenannter „Frauenarbeit“ zu kämpfen. Marxistische Feministinnen suchten damals nach einem Pendant zur kapitalistischen Produktion und führten den Kampfbegriff der „Reproduktionsarbeit“ ein. Ab den späten 1980er-Jahren bürgerte sich in der angelsächsischen Gendertheorie der Ausdruck „care work“ ein, um die Bedingungen weiblich konnotierter „Sorgearbeit“ zu hinterfragen.

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