"Gefahr im Verzug"
Zwei Ärzte der MedUni Wien warnen vor dem Befolgen eines aus ihrer Sicht fahrlässigen Schutzmasken-Erlasses der Regierung. Mediziner würden ohne Not hohen Ansteckungsgefahren ausgesetzt
Foto: bka/Arno Melicharek
Im Corona-Krisenstab der Regierung, angesiedelt im Innenministerium, lief die Operation unter dem Schlagwort „Ernten der Früchte“. Am 23. März dieses Jahres, genau eine Woche nach dem kompletten Herunterfahren des Landes, landeten zwei Boeing-Triple-Seven-Langstreckenmaschinen der Austrian Airlines aus Xiamen, China, in Wien-Schwechat. An Bord: 130 Tonnen Schutzausrüstung, darunter 1,5 Millionen medizinische Schutzmasken und 450.000 Schutzanzüge. Einer der Piloten war Ex-Ö3-Star Hary Raithofer. Die Aktion war ein großer PR-Erfolg, der Boulevard jubelte. „Kurz holt 130 Tonnen Schutzkleidung“, titelte das Gratisblatt Österreich. „Ex-Ö3-Star ein Held der ‚Corona-Luftbrücke‘“, schrieb die Kronen Zeitung.
Was die österreichische Regierung nicht so offensiv kommunizierte: Die Schutzausrüstung war gar nicht für Österreich bestimmt, sie war vom Südtiroler Unternehmen Oberalp organisiert, bestellt und bezahlt worden, die AUA flog sie als Nachbarschaftshilfe, das Bundesheer transportierte sie weiter nach Südtirol, wie auch Hary Raithofer auf Facebook postete.
Im Nachhinein stellte sich auch noch heraus, dass die Masken nicht den ursprünglich erhofften medizinischen Sicherheitsstandards entsprachen.