„Was passiert, wenn es eng wird?“

Wie solide war Österreichs Covid-19-Krisenmanagement? Neue vertrauliche Protokolle aus zwei Beraterstäben der Republik zeigen: Sehr früh entfernte sich die Regierungsspitze von der Expertise der Wissenschaft und der Beamtenschaft

Barbara Tóth
POLITIK, FALTER 20/20 vom 12.05.2020

Foto: bka/Arno Melicharek

Im Corona-Krisenstab der Regierung, angesiedelt im Innenministerium, lief die Operation unter dem Schlagwort „Ernten der Früchte“. Am 23. März dieses Jahres, genau eine Woche nach dem kompletten Herunterfahren des Landes, landeten zwei Boeing-Triple-Seven-Langstreckenmaschinen der Austrian Airlines aus Xiamen, China, in Wien-Schwechat. An Bord: 130 Tonnen Schutzausrüstung, darunter 1,5 Millionen medizinische Schutzmasken und 450.000 Schutzanzüge. Einer der Piloten war Ex-Ö3-Star Hary Raithofer. Die Aktion war ein großer PR-Erfolg, der Boulevard jubelte. „Kurz holt 130 Tonnen Schutzkleidung“, titelte das Gratisblatt Österreich. „Ex-Ö3-Star ein Held der ‚Corona-Luftbrücke‘“, schrieb die Kronen Zeitung.

Was die österreichische Regierung nicht so offensiv kommunizierte: Die Schutzausrüstung war gar nicht für Österreich bestimmt, sie war vom Südtiroler Unternehmen Oberalp organisiert, bestellt und bezahlt worden, die AUA flog sie als Nachbarschaftshilfe, das Bundesheer transportierte sie weiter nach Südtirol, wie auch Hary Rait­hofer auf Facebook postete.

Im Nachhinein stellte sich auch noch heraus, dass die Masken nicht den ursprünglich erhofften medizinischen Sicherheitsstandards entsprachen.

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