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Die Spatzenpost zieht vor Gericht

ANNA GOLDENBERG
Medien, FALTER 23/20 vom 03.06.2020

Mit der Spatzenpost haben Generationen von österreichischen Schülern lesen gelernt. Damit könnte bald Schluss sein. Grund dafür ist ein Zerwürfnis zwischen dem Innsbrucker Jungösterreich-Verlag, der die Spatzenpost seit 1949 herausgibt, und dem Roten Kreuz, das nun in einer Klage gipfelt.

Aber von Anfang an: Österreichs mächtigste NGO war jahrelang Mitherausgeber der sieben vom Verlag produzierten Schulzeitschriften. Die Zusammenarbeit mit Schulen ist im Rotkreuzgesetz vorgesehen, weshalb das Rote Kreuz ein bis zwei Seiten an Inhalten lieferte und dafür einen Anteil an den Erlösen bekam. Rund 400.000 Euro jährlich.

Im Februar 2019 beendete das Rote Kreuz die Zusammenarbeit. Weil man zu wenig vorgekommen sei, heißt es offiziell. Die NGO präsentierte im April 2019 eigene Schulzeitschriften, die prompt eine Empfehlung des Bildungsministeriums erhielten. Der Abteilungsleiter, der das Schreiben verfasste, war bis Mai 2018 Bundesvorsitzender des Jugendrotkreuzes.

Wie vergangene Woche bekannt wurde, verklagt der Jungösterreich-Verlag das Rote Kreuz und will 1,5 Millionen Euro Schadenersatz - schließlich habe man signifikant an Abos verloren. Das Rote Kreuz habe zudem noch während des laufenden Vertrags um Titelrechte für die neuen Zeitschriften angesucht, so Rechtsanwalt Georg Eisenberger, der Jungösterreich vertritt. Aus Sicht von Jungösterreich sei die Zusammenarbeit gut gewesen, nur habe es seitens des Roten Kreuzes bisweilen Forderungen nach mehr Geld gegeben. Seit Beginn des Schuljahres teilen sich zwei Verlage einen begrenzten Markt. Wie gut sich die neuen Zeitschriften verkaufen, darüber will man beim Roten Kreuz keine genaue Auskunft geben.

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