Coole Spots für Kids

Wien ist im Sommer ein wahres Ferienparadies für Kinder. Empfehlungen für Freizeitspaß, der weg von Playstations und TikTok führt

Nicole Scheyerer
FALTER:WOCHE, FALTER 32/20 vom 04.08.2020

Foto: Tech. Museum/Paul Bauer

Shutdown der Wiener Bäder: Am heißesten Tag Juli 2020 standen erstmals „Ausverkauft“-Schilder vor den Freibädern. Selbst wer es noch hineingeschafft hatte, musste für das kühle Nass vor den Schwimmbecken Schlange stehen.

Dabei hat Wien selbst in Pandemie-Zeiten außer Planschen enorm viel zu bieten. Es reicht ein Blick auf die Website von wienXtra, wo neben den Terminen des Ferienspiels noch eine riesige Menge an anderen Mitmachgelegenheiten gelistet wird.


Kritischer und unabhängiger Journalismus kostet Geld. Ausnahmsweise lesen Sie diesen Artikel kostenlos. Unterstützen Sie uns mit einem Abonnement oder testen Sie uns vier Wochen lang kostenfrei.

Wenn es heiß ist, lohnt sich der Besuch klimatisierter Ausstellungsräume. Im Belvedere kann Gustav Klimts „Kuss“ nun ohne Touristentrubel bewundert werden. Alle Bundesmuseen haben Kinderführungen und Atelierworkshops im Programm.

Die Kindertheater haben unter Corona sehr gelitten, aber ­mittlerweile tritt die Szene wieder auf. So führt etwa die Compagnie Teatro ab 14. August ihr diesjähriges Musical „Tom Sawyer und Huckleberry Finn“ in der Mödlinger Europahalle mit ­ausreichend Platz auf.

Abseits der Kultur bietet der Sommer an der Donau viele Gelegenheiten, um im Grünen zum Öko zu werden. Initiativen wie die Umweltspürnasen laden ein, die Natur an Gewässern kennenzulernen.

Tennis, Reiten, Taekwondo, Fechten, Akrobatik oder Mountainbiking: Viele Sportstätten ermöglichen im August noch kostenloses Schnuppern. Stärke hat nicht nur mit Muckis zu tun: Beim Verein Sprungbrett wird von 24. bis 28. August in Workshops weibliche Selbstbehauptung vermittelt. Die dreistündigen Workshops sind für Mädchen von zehn bis 13 Jahren und kosten nur drei Euro.

Hochbetrieb herrscht dieser Tage in den sogenannten „Verkehrsgärten“ an der Prater-Hauptallee oder in Floridsdorf, wo Kinder sicheres Radfahren im Straßenverkehr lernen.

Für flotte Radler gibt es dann auch bei Rotlicht an der Bäder-Ampel kein Verzagen mehr: Einfach wieder in den Sattel schwingen und gen Donauinsel oder Alte Donau strampeln. F


Aus der Trickkiste der Filmtechnik

Wie entsteht ein Monster für einen Film? Maskenbildnerei ist nur eines der vielen Features der Erfolgsschau „WOOW! Special Effects“ im Technischen Museum. Zum Beispiel erfüllt dort ein sogenannter „Green Screen“ den Traum vom Fliegen. Durch Motion-Capture-Technik kann die eigene Mimik auf einen Ork übertragen werden. Aber auch das Flair von Stummfilmen lebt in der aus Paris übernommenen Schau auf. Noch mehr Medienkompetenz vermitteln spezielle Workshops, bei denen Filmtricks gemeinsam ausprobiert werden können.

Technisches Museum, bis 30.11.

ANZEIGE

Zu Drachenschuppe und Monsterkralle

Das Kunsthistorische Museum (KHM) zeigt viele Werke, die Kinder faszinieren können. Man denke nur an die aus Früchten zusammengesetzten Köpfe von Arcimboldo oder den Spitzmaus-Sarkophag in der Ägyptischen Abteilung. Diesen August bietet das Museum täglich (!) Kinderführungen an, die von Pharaonen, Fabeltieren oder alten Kinderspielen erzählen. Die Tour „Gold, Koralle und Elfenbein“ führt zur Saliera in die Kunstkammer. Im Atelier werden dann Techniken wie etwa Abguss erprobt. Begleitpersonen zahlen weniger Eintritt.

Kunsthistorisches Museum


Wo wachsen die Erbsen und Erdäpfel?

Die City Farm war früher in Schönbrunn angesiedelt und bewirtschaftet seit 2018 im Augarten einen „Garten für Kinder“. In den Sommerferien findet ab 24.8. noch eine Gartenspaßwoche statt, bei der Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren ihre Hände in die Erde stecken, Pflanzen kennenlernen und aussäen, sowie Obst und Gemüse ernten können. Am Programm stehen Gärtnern, Spiele und Naturentdeckungen. Die fünf Tage im Grünen kosten mit Mittagessen und zwei Jausen 350 Euro.

City Farm, 24.8. bis 28.8..


Ohne Zahlen keine Melodien

Als „Musikvagabundinnen“ bezeichnet sich das Trio JuJu und Franz. Bei ihrem Konzert „Ein Hut, ein Stock, ein Damenunterrock“ nehmen sie das Publikum mit Saxofon, Klarinette und Bratsche mit auf eine Reise. Dass dabei nicht alles glatt geht, sorgt für Spannung: Weil der Code zum Zahlenschloss am Instrumentenkoffer fehlt, dreht sich viel um Zahlen, mit denen improvisiert und komponiert wird. Auf lustvolle Weise entsteht so eine Ahnung vom Zusammenhang von Musik und Mathe.

Theater am Spittelberg, 30.8., 11 Uhr


Was ist in meinem Bauch so los?

Ausstellungen zum Mitmachen und Anfassen sind Kindern das Allerliebste! Im Zoom Kindermuseum können sie derzeit Haare unter dem Mikro­skop betrachten oder in einem „Rotzlabor“ forschen. Die Schau „Von Kopf bis Fuß“ vermittelt spielerisch Zusammenhänge von Anatomie, Gesundheit und Krankheit. Gerade in Zeiten der Pandemie, wo die Angst vor Krankheit allgegenwärtig ist, macht so ein Trip durch die Körperfunktionen Sinn. Die Schau, die sich an Kinder ab sechs Jahren richtet, lässt zwar die Geschlechtsorgane aus, hat aber keine Berührungsängste mit dem Magen-Darm-Trakt, was das junge Publikum köstlich amüsiert.

Zoom Kindermuseum, bis 10.1.2021


Zehen im Bach, Grashalm im Mundwinkel

Der sympathische Verein Umweltspürnasen nimmt Kinder und Familien mit auf Entdeckungsreisen ins urbane Grün. Unter dem Motto „Bacherlebnis“ geht es etwa am 17.8. an den Wienfluss, um diesen als Lebensraum zu erkunden, und bei der Tour „Blütenbesucher auf der Gstett’n“ am 21.8. wird das Summen von Biene, Hummel & Co im Donaupark verfolgt. Am 22.8. findet eine Kräuterwanderung für die Kleinsten statt, wo schon Drei- bis Sechsjährige bei einem „Pflanzenmemory“ essbares Grünzeug unterscheiden lernen.

www.umweltspuernasen.at


Ins Museum zum „Creative Coding“

Im Mumok findet kreatives Schaffen nicht nur im Atelier mit Pinsel und Farbe statt, sondern auch am Computer. Im „Summer Scratch Lab“ können dort Kids zwischen sechs und 13 Jahren programmieren lernen. Scratch ist eine visuelle Computersprache, die speziell für Kinder als Einstieg in die Welt der Codes entwickelt wurde. Die Teilnehmenden lernen spielerisch, aus Bild, Text und Musik digitale Kunstwerke zu erschaffen. Jeder Kurs beinhaltet die Einrichtung eines Online-Accounts auf der Scratch-Website.

Mumok, ab 31.8.


Mit altem Spielzeug handeln

In den Sommerferien ist endlich einmal Zeit zum Ausmisten. Zeug, das im Kinderzimmer oder Keller vor sich hin staubt, kann anderen noch Freude machen. Einen guten Anlass bieten Kinderflohmärkte, die auch vom wienXtra-Ferienspiel mitorganisiert werden. Die Teilnahme kostet wenig und die Orte wie der Columbusplatz oder Meiselmarkt sind mit den Öffis gut erreichbar. Wer genug mit seinen Spielen, Büchern, CDs oder Gewand verdient hat, kann das Geld dann gleich vor Ort in Neues investieren.

www.kiflo.at


Alles was strahlt, knurrt, krabbelt und fleucht

Ihr neonfarbenes Strahlen fesselt: Das Naturhistorische Museum stellt derzeit leuchtende Minerale aus und erklärt dabei, was es mit natürlicher Radioaktivität auf sich hat. Nur eine der vielen lehrreichen Stationen in dem großen Haus, das über einen täuschend lebensechten Allosaurier verfügt und in seinem digitalen Planetarium einen Kinderfilm über Dinosaurier zeigt. Schon lange vor den Dinos gab es Insekten auf der Erde. Im Rahmen einer Forschungstour werden auch die Hallen mit aufgespießten Käfern, Fliegen und Schmetterlingen erkundet.

Naturhistorisches Museum


Verlust aus heiterem Himmel

Das von einem skandinavischen Märchen inspirierte Stück „Kommt ein Mädchen geflogen“ erzählt von der frechen Liina, die durch einen Blitz ihre ganze Familie verliert. Die Familienmitglieder werden durch den Einschlag in alle Himmelsrichtungen geschleudert; Liina selbst findet sich in einer Stadt mit seltsamen Gestalten wieder. Das poetische Stück von Zenith Productions wird im Garten des Volkskundemuseums aufgeführt. Livemusik und liebevolle Kostüme beflügeln die Fantasie. Ab sieben Jahren.

Volkskundemuseum Wien, 8. & 9.8., 19.00


Piraten an der Neuen Donau

Mit seinen speziellen Kinderbüchern hat das Duo Asagan (Erika Friedl und Wolfgang Hartl) einen ganz eigenen Illustrationsstil entwickelt. Die Abenteuer der Donaupiraten werden von Bildern begleitet, für die Elemente aus alten Kupferstichen entnommen wurden. Die Geschichten spielen in Wien und in dessen näherer Umgebung wie der Hohen Wand oder am Semmering. Diesen Sommer bieten Asagan auch Illustrationsworkshops für fünf- bis zehnjährige Kreative an, die am hippen Veranstaltungsort Usus am Wasser stattfinden. Am 23.8. präsentieren Asagan ihr neues CD-Hörspiel mit Livemusik.

Usus am Wasser, 9. & 30.8., 11.30

Fanden Sie diesen Artikel interessant? Dann abonnieren Sie jetzt und bleiben Sie mit unserem Newsletter immer informiert.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Alle Artikel der aktuellen Ausgabe finden Sie in unserem Archiv.

12 Wochen FALTER um 2,17 € pro Ausgabe
Kritischer und unabhängiger Journalismus kostet Geld. Unterstützen Sie uns mit einem Abonnement!