Grüner Strom für alle

Sonnenenergie vom eigenen Dach holen, eine Energiegemeinschaft mitgründen oder Strom aus Biomasse direkt vom Bauern kaufen: Jeder kann sich für die Energiewende engagieren. Sogar Nichtauskenner

Gerlinde Pölsler
LANDLEBEN, FALTER 40/20 vom 29.09.2020

Patrick Wagenhofers Photovoltaikanlagen in Strem, Südburgenland (Foto: Wagenhofer-EE)

Müssen die Windräder weg? Ein bisschen zittert Johann Moser immer noch um sein Baby, den Windpark Spörbichl bei ­Freistadt im Mühlviertel. Vor 20 Jahren hat der BHS-Lehrer die Windräder in Betrieb genommen. Geholfen hatte Moser die ­Spörbichler Feuerwehr: Erst überließ sie ihm zum Montieren seiner Messgeräte den ­Maibaum, dann fuhr die Wehr auf Exkursion nach Eberschwang, zum damals einzigen Windpark Oberösterreichs, kam zurück und erklärte: „Wir wollen das auch haben.“ Rund 100 Leute erwarben über ein Bürgerbeteiligungsprojekt Anteile am neuen Kraftwerk. Doch nach 15 Jahren lief die ­Förderung aus, die Strompreise dümpelten dahin, die Betriebskosten waren kaum noch hereinzuspielen.

Seit kurzem sieht Moser wieder Licht am Ende des Tunnels. Der Windpark ist jetzt Mitglied bei der Genossenschaft OurPower. Dort kann jeder mit ein paar Mausklicks Strom vom Windpark in seinen Warenkorb legen und ihn damit direkt unterstützen. Nicht zu den Preisen der ­Strombörse, sondern zu einem Preis, den Moser selbst festlegt.

Vor zwei Wochen haben Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) und Staatssekretär Magnus Brunner (ÖVP) den Entwurf für das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) vorgelegt. Anfang 2021 soll es in Kraft treten. Das Ziel: Bis 2030 soll der gesamte in Österreich erzeugte Strom aus erneuerbarer Energie kommen. Auf einer Million Dächern will Gewessler Sonnenstromanlagen sehen, eine Milliarde Euro in die Hand nehmen. Die Photovoltaik soll am stärksten ausgebaut werden, gefolgt von Windkraft, Wasserkraft und Biomasse. Die Bürger selbst sollen sich engagieren und an Energiegemeinschaften beteiligen. „Alle Menschen sollen an der Energiewende teilnehmen können“, sagt Gewessler. Aber was kann man tun, wenn man grünen Strom pushen will – auch wenn man sich gar nicht auskennt? Und was soll in Zukunft einfacher werden?

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