Lichtgestalten

Peter Iwaniewicz freut sich über Katzenaugen

Peter Iwaniewicz
FALTERS ZOO, FALTER 04/21 vom 26.01.2021

Zeichnung: Bernd Püribauer

Die gute Nachricht zuerst: In der Region um Hochschwab, Rax und Schneeberg lebt erstmals seit etwa 100 Jahren wieder ein Luchspärchen. Man kann die Frohbotschaft dieser erfolgreichen Wiederansiedlung und intakter Naturräume aber auch im Neusprech der Kommunikationsberater „framen“ und daraus eine eher negative Schlagzeile machen: „Seltene Raubkatze gesichtet“, textete der Presseinformationsdienst der Stadt Wien. Das ist Öl ins Feuer der niederösterreichischen Stammtische, denen neben Wolf, Seeadler und Fischotter ein weiteres „Raubtier“ und damit Feindbild geliefert wird. Ja, die Hauptnahrungsquelle für Luchse sind mittelgroße Huftiere, also Rehe und ungeschützte Schafe in der Almwirtschaft. Aber die Rehdichte in österreichischen Wäldern ist bekanntermaßen viel zu hoch, was Forstbesitzer in geradezu schizophrener Weise beklagen. Einerseits will man Einnahmen aus der Trophäenjagd. Zwei organisierte Jagdtage mit dem Abschuss eines Rehbocks kosten pro Jäger ca. 1100 Euro, Fleisch und Trophäe werden nach Gewicht zusätzlich verkauft. Andererseits jammert man über Verbissschäden an Blättern, Trieben und Knospen durch zu großen Rehbestand. Also was jetzt?

Luchse als Sekundärkonsumenten (mein Framing) helfen uns, diese Missverhältnisse zu bereinigen.


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Aber was ist mit den von Luchsen gerissenen Schafen?, fragen Wutbauern. Solange Berge sonst nicht anderweitig genutzte Landschaften waren, konnte diese von Raubtieren befreite Gegend eben für Almwirtschaft verwendet werden. Jetzt, da nicht nur Landwirte diese Orte als Freizeit- und Erholungsräume nutzen und der Stellenwert von Artenschutz oder Biodiversität bekannt ist, dürfen Almen nicht mehr exklusiv und ohne Auflagen nur einer Nutzergruppe zur Verfügung stehen. Andernfalls werden die Konflikte mit Wanderern, Mountain­bikern, Hundebesitzern, Wölfen und jetzt auch Luchsen weiter zunehmen.

Wir sollten den Eurasischen Luchs nicht zuerst als Raubtier sehen, sondern als eine Art der Unterfamilie der Kleinkatzen, die man im Unterschied zu allen ihren Verwandten an ihrem Stummelschwanz leicht erkennt. Der wissenschaftliche Gattungsname Lynx bedeutet auf Altgriechisch „Licht“, da Luchsaugen hinter der Netzhaut zusätzlich eine reflektierende Pigmentschicht besitzen, durch die ihre Lichtempfindlichkeit sechsmal höher als bei unseren Augen ist. In diesem Sinn: Es werde Licht!F

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