Wie ein Radweg in der Döblinger Krottenbachstraße verhindert wird

Bei fast jeder Debatte um einen neuen Radweg gibt es Gegenwind von einigen Parteien, Autofahrern und Anrainern, die um ihre Parkplätze fürchten. Aktuell ist das in Döbling zu sehen.

Soraya Pechtl
FALTER.MORGEN, 02.03.2021

Ein Radfahrer auf der Krottenbachstraße. Foto: FALTER/Pechtl

In Döbling tobt seit Wochen ein altbekannter Streit: Autofahrer vs. Radler. „Für mich ist es sehr stressig, wenn ich auf der Krottenbachstraße mit dem Rad unterwegs bin. Es gibt so viele ausparkende Autos und Schlaglöcher“, sagt Anwohner David Stanzl. Eigentlich wurde bereits im Dezember mit einer Mehrheit aus SPÖ, NEOS und Grünen ein Antrag für einen Radweg auf der Krottenbachstraße genehmigt. Doch dann regte sich Widerstand.

ÖVP-Bezirksvorsteher Daniel Resch ist gegen das Projekt, weil dadurch 275 Parkplätze verloren gehen würden. „Es wäre sinnvoller, einen Radweg in einer weniger befahrenen Seitenstraße zu machen”, sagt er gegenüber FALTER.morgen.

Dieser Text ist ein Teil des FALTER.morgen (Ausgabe vom 02.03.2021), dem neuen Früh-Newsletter aus der FALTER-Redaktion. Melden Sie sich hier an:

Die NEOS, die den Antrag eingebracht haben, entgegnen, Resch betreibe Negativ-Campaigning. Von ihrer Forderung nach einem baulich getrennten Radweg wollen sie nicht abgehen. „Es gibt keine Alternative zur Krottenbachstraße”, sagt Verkehrssprecherin Angelika Pipal-Leixner.

Wenn die Gemüter derart erhitzt sind, hilft nur eines: Fakten. FALTER.morgen liegt die Machbarkeitsstudie zum Radweg vor. Wir haben die Ergebnisse zusammengefasst und mit Verkehrsplaner Leth darüber gesprochen.

  • In der Studie wurde das Potential von Radwegen an drei Straßen untersucht: Der Krottenbachstraße, der Cottagegasse und der Obkirchergasse.
  • Die Empfehlungen: Ein Zweirichtungsradweg entlang der Nordseite der Krottenbachstraße. Radfahren gegen die Einbahn in der Obkirchergasse und der Cottagegasse.
  • Mit einem Radweg in der Krottenbachstraße würde 200 Parkplätze verlorengehen und …
  • … 75 weitere, wenn Radverbindungen in der Cottage- und Obkirchergasse eingerichtet werden – was laut NEOS aber nicht vorgesehen ist.
  • Durch Radwege käme es zu Verbesserungen für Fußgänger und Öffi-Nutzer.
  • Die Kosten für einen Radweg in der Krottenbachstraße belaufen sich auf knapp zwei Millionen Euro. Für alle Maßnahmen zusammen sind es rund 2,5 Millionen.
  • Laut Leth ist ein alternativer Radweg in einer Seitengasse nicht möglich. Er sagt: „Es ist nicht sinnvoll, dass man für Alltagswege große Umwege in Kauf nehmen muss.”

Aktuell überarbeitet Verkehrsstadträtin Ulli Sima den Antrag. Für eine Stellungnahme war sie nicht erreichbar.

Unzufrieden sind jetzt vor allem die Radler. „Das ist ein politisches Ping-Pong-Spiel zwischen Bezirk und der Stadt bei dem die klimafreundlichen Verkehrsteilnehmer auf der Strecke bleiben”, sagt Peter Kühnberger, Sprecher der Radlobby in Döbling. Um für eine rasche Umsetzung des Radwegs einzutreten, protestieren einmal pro Monat die „Rebelriders”, eine Gruppe von Anrainer und Aktivisten, indem sie mit Transparenten von der Billrothstraße über die Krottenbachstraße radeln.

ANZEIGE

Fanden Sie diesen Artikel interessant? Dann abonnieren Sie jetzt und bleiben Sie mit unserem Newsletter immer informiert.


12 Wochen FALTER um 2,17 € pro Ausgabe
Kritischer und unabhängiger Journalismus kostet Geld. Unterstützen Sie uns mit einem Abonnement!