KUNST Kritik

Gelungen: Hommage an den Kreis

NICOLE SCHEYERER
Lexikon, FALTER 11/21 vom 17.03.2021

Es kommt im aktuellen Ausstellungsbetrieb sehr selten vor, dass sich jemand Junger elementaren Formen widmet. Umso erfreulicher die Ausstellung "Papier auf Bleistift auf Holz" von Anja Nowak in der Fotogalerie Wien, die sich auf den Kreis konzentriert. Den Ausgangspunkt dafür bildeten Sessions, bei denen die 1984 in Sachsen geborene Künstlerin mit einem Bleistift einen Kreis auf Papier zeichnete und diesen dann bis zu eine Stunde lang nachfuhr.

Wie zwei Videos und eine im Kino (!) der Galerie laufende Sound-Arbeit demonstrieren, benützte sie in der Folge verschiedene Stifte sowie Unterlagen und entwickelte ein Sensorium für das dabei produzierte Geräusch. Erfreulicherweise präsentiert die Künstlerin aber nicht die Papierarbeiten dieser meditativen, aber ohne jegliches Eso-Asia-Pathos durchgeführten Praxis. Stattdessen hat sie Hula-Hoop-Reifen mit schwarz-weißen Streifen zum Motiv edler Fotocollagen und zum Requisit performativer Videos erhoben. Was das Kreisen dichterisch hergibt, beweist das als Edition aufgelegte Büchlein "Lebensschwung"."Kennt mein Kreisen immer eine Mitte?", wird etwa in der korrespondierenden Audio-Arbeit gefragt. Bleiben noch Nowaks zwei visuelle Gedichte an der Wand, die aus ihrem Solo endgültig eine runde Sache machen.

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